oder

Oma & Bella (2012)

Dokumentation über zwei Holocaust-Überlebende Berlinerinnen, die eine jahrzehntelange Freundschaft, eine außergewöhnliche Geschichte, Humor und die Liebe zu jiddischem Essen verbindet...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Regina Karolinski und Bella Katz haben die 80 schon längst überschritten, sind seit Jahrzehnten engste Freundinnen und teilen sich seit fünf Jahren eine gemeinsame Wohnung in Charlottenburg. Regina – die Oma der Regisseurin Alexa Karolinski – wurde 1927 im polnischen Katowice als jüngstes von fünf Kindern geboren. 1942 wurde sie von ihrer Familie getrennt und kurz darauf in ein Arbeitslager im Sudentenland deportiert, in dem sie bis zum Frühjahr 1945 lebte. Ihre beste Freundin, Bella Katz, wurde 1923 in der litauischen Hauptstadt Vilnius geboren und 1941 mit ihrer Familie ins Ghetto der Stadt deportiert. Als das Lager zwei Jahre später aufgelöst wurde, gelang ihr die Flucht in die Wälder, wo sie sich bald der jüdischen Widerstandsbewegung anschloss. Ihre gesamte Familie fiel dem Holocaust zum Opfer.
Regina und Bella sind die beiden Protagonistinnen des Films und es ist ihre bewegende Vergangenheit, die die zwei Frauen miteinander verbindet und zu Seelenverwandten werden ließ.

Bildergalerie zum Film

Oma & BellaOma & BellaOma & BellaOma & BellaOma & BellaOma & Bella


Filmkritik

Das dokumentarische Porträt "Oma und Bella" der in Berlin geborenen Regisseurin Alexa Karolinski zählt zu den außergewöhnlicheren Filmen der letzten Zeit. Karolinskis Film porträtiert auf stimmungsvolle und berührende Weise den Lebensalltag zweier jüdischer Holocaust-Überlebender, die sich seit einigen Jahren eine Wohnung im Berliner Ortsteil Charlottenburg teilen. Dabei macht der Film nicht viel mehr, als die beiden aufrechten Rentnerinnen jenseits der 80 bei ihrem alltäglichen Tun und Handeln zu beobachten: beim Einkaufen, beim Friseurbesuch, bei Gesprächen über die Vergangenheit und – vor allem – beim liebsten Hobby der Beiden, dem Kochen. Denn wenn "Oma" und Bella ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen, fassen die Zwei auch ihre Erinnerungen an die Schrecken der Nazi-Diktatur in Worte, an denen man als Zuschauer auf intensive Weise teilhaben darf. "Oma und Bella" versteht sich daher als leises Porträt über das Altern und das Zusammenleben im Alter, das die Erinnerung an den Holocaust wach halten will. Der Film war Karolinskis Abschlusswerk an der New Yorker School of Visual Arts, der in diesem Jahr im Rahmen der 62. Berlinale uraufgeführt wurde.

Mit einfachsten Mitteln porträtiert der Film das Leben und den Alltag der beiden Frauen und stellt diese zu jeder Zeit in den Mittelpunkt des Geschehens. Die Kamera passt sich dem Treiben und der Geschwindigkeit von Regina und Bella an und verbleibt über die gesamte Laufzeit angenehm im Hintergrund. Die Zwei geben das Erzähltempo vor und Regisseurin und Enkelin Alexa Karolinski hält sich dabei in ihrer Alltagsbeobachtung weitestgehend zurück. Nur selten greift sie in das Geschehen aktiv ein, etwa dann, wenn sie ein Glas Orangensaft trinken "muss", wegen der ganzen gesunden Vitamine.

Vielmehr ist Alexa die meiste Zeit stille Beobachterin, die ihren beiden Hauptdarstellerinnen das Ruder überlässt. Die Kamera folgt den Beiden zum Friseur und in die Stammkneipe um die Ecke, zeigt, wie ihnen der Lieblingsmetzger immer die schönsten Hühnchen zurücklegt und beobachtet sie dabei, wenn sie sich in ihrem großen Wohnzimmer alte Fotos ansehen und euphorisch von den rauschenden Partys in den 50er und 60er-Jahren berichten. Dies alles sind sehr persönliche Momente, die zeigen, wie gut es Regina und Bella gelingt, den oft nicht immer ganz einfachen Alltag in diesem hohen Alter gemeinschaftlich zu meistern. Über allem schwebt dabei stets der extrem trockene, aber nie zynische Humor der zwei Freundinnen. Besonders intim und gefühlvoll wird der Film, wenn er Regina und Bella beim Zubereiten von jiddischen Spezialitäten über die Schulter schaut.

Wieder und wieder kehrt der Film nämlich in die kleine Charlottenburger Einbauküche zurück und dokumentiert das kulinarische Treiben. Regina und Bella rasieren Kalbsfüße, schneiden Zwiebeln, backen Hagelzuckerkekse oder bereiten Borschtsch zu, die beliebte osteuropäische Suppe mit Roter Bete. Und während sie das tun, kommen die Gedanken an die dunklen Erlebnisse während des Holocaust auf. Das Kochen nach traditionellen, jiddischen Rezepten ist für Regina und Bella gelebtes Andenken an die eigene, tragische Vergangenheit. In einem der beeindruckendsten Momente des Films erzählt Bella davon, wie sich ihr Vater aus Verzweiflung erhängte. Die Nazis wollten sie und ihre Familie ins Getto deportieren. Ihr Vater meinte, er müsse noch schnell einen Pelzmantel aus der Wohnung holen. Doch tatsächlich erhängte er sich vor lauter Verzweiflung aufgrund der aussichtslosen Situation für ihn und seine Familie. Bella erzählt dies mit einem Lachen im Gesicht, aus Freude darüber, dass die Nazis ihn nicht erschießen konnten. Keine andere Szene lässt den schwarzen Humor der fast 90-jährigen deutlicher zum Vorschein treten, der die Erinnerungen an die Vergangenheit ein wenig erträglicher macht.

Fazit: "Oma und Bella" zeichnet ein emotionales, intimes Bild zweier in Berlin lebender Holocaust-Überlebender. Der Film porträtiert den Lebensalltag der beiden beeindruckenden alten Damen und versteht sich zugleich als Dokument deutsch-jüdischer Geschichte.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Oma & Bella

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: USA, Deutschland
Jahr: 2012
Genre: Dokumentation
Länge: 75 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 23.08.2012
Regie: Alexa Karolinski
Darsteller: Regina Karolinski, Bella Katz
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.