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Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa
Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa
© Alamode Film

Kritik: Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa (2011)


Für den märchenhaften Animationsfilm im klassischen Zeichentrick-Stil sind die beiden Regisseure Rémi Bezançon und Jean-Christophe Lie verantwortlich. Für Bezançon ist "Zarafa" der erste Ausflug in den Bereich des Animationsfilms. Bekanntheit erlangte er vor vier Jahren mit seiner von Publikum und Kritik gefeierten Tragikomödie "C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben". Er verfasste auch das Drehbuch zu "Zarafa". Lie hingegen ist seit Jahren im Zeichentrick-Metier zu Hause und wirkte bisher bei so erfolgreichen Filmen wie "Kiriku und die wilden Tiere" und "Tarzan" mit. Die beiden Filmemacher ließen sich für "Zarafa" von einer wahren Begebenheit inspirieren: Im Jahre 1827 wurde tatsächlich eine Giraffe namens Zarafa dem französischen König Karl X. im Schloss von Saint-Cloud als Geschenk überreicht. Es entstand eine wahre Massenhysterie um dieses Tier, die erste Giraffe auf französischem Boden. Noch heute ist es möglich, sich die sterblichen Überreste von Zarafa im naturhistorischen Museum von La Rochelle anzusehen.

Die Regisseure Bezançon und Lie haben sich für ihren gemeinsamen Zeichentrickfilm keine einfachen Themen ausgesucht. Vordergründig geht es natürlich um die turbulente, abenteuerliche Reise von Maki und seinen Freunden, doch dahinter werden Themen angesprochen, die in dieser Form in Animationsfilmen eher selten zur Sprache kamen: Es geht um Menschenhandel, Sklaverei, Kolonialherrschaft und Krieg. Keine leichte Kost für die jüngsten Zuschauer. Aufgrund der Tatsache, dass der Film solche ernsten Motive behandelt, eignet er sich wohl zu aller erst für Kinder im fortgeschrittenen Grundschulalter, mit denen sich diese zum Teil komplexen Themen im Anschluss an den Film auch gezielter erörtern lassen. Daneben legt der Film aber auch einen Schwerpunkt auf die Vermittlung pädagogisch nützlicher, universeller Thematiken und Werte wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und vor allem Freiheit. Und mit deren Vermittlung kann man nicht früh genug anfangen. An dieser Stelle besticht der Film durch seinen enormen pädagogischen Input und die erzieherischen Ansätze.

Die Protagonisten des Films sind ein bunt zusammen gewürfelter, chaotischer Haufen aus reizenden Charakteren. Der kleine Eingeborene Maki, die Hauptfigur des Films, ist mutig, tapfer, entschlossen und äußerst schlagfertig und eignet sich daher ausgezeichnet als Identifikationsfigur. Nicht weniger liebenswert sind der väterliche Luftschiffer Malaterre, die drolligen tibetanischen Zwillingskühe Mounh und Sounh und natürlich die niedliche Giraffe Zarafa, um deren Schicksal sich der ganze Film dreht. Dabei gelingt es den Machern, Personen und Figuren aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen (der Araber Hassan, der afrikanische Junge Maki, der Franzose Malaterre und eine Piratin griechischer Abstammung) zusammenzuführen und die gefährliche Reise gemeinsam bewältigen zu lassen. Die Botschaft des Film ist hier eindeutig: wir alle sind gleich und gleich viel wert, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und kulturellem Hintergrund. Auch die technische Umsetzung und musikalische Untermalung des Films sind außerordentlich gut gelungen. Der klassische Zeichentrick-Stil eignet sich für diese Geschichte mit all ihrer pädagogischen Werte- und Vermittlungsarbeit mehr als der glattpolierte Hochglanz-Look computeranimierter Trickfilme. So kommt durch die verwendete Technik zudem ein Gefühl warmer Nostalgie auf, die an frühe Zeichentrick-Meisterwerke aus dem Hause Disney erinnert – nur ohne die typischen Musik- und Sangesdarbietungen, die der Film aber auch gar nicht nötig hat.

Fazit: "Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa" ist ein warmherziger, nostalgischer Zeichentrickfilm der alten Schule, der wichtige pädagogische Botschaften vermittelt und ernste Themen wie Krieg und Unterdrückung nicht ausspart.




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