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Marry Me
Marry Me
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Kritik: Marry Me (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dem Frauenbild der indischen Gesellschaft steht es traditionell nicht zum Besten. Daran wird die moderne Berliner Singlefrau Kissy erinnert, als ihre konservative Großmutter aus Indien in ihr Leben schneit. Eine Frau kommt nicht ohne Mann aus, so lautet das Credo der alten Dame, und der muss täglich gekocht und außerdem mit Kamasutra-Techniken bespaßt werden, um nicht fremdzugehen. Für Kishori, wie die Großmutter ihre Enkelin nennt, stand eine Liaison mit dem Vater ihres Kindes nie zur Debatte, geschweige denn eine Hochzeit. So nimmt eine muntere Komödie Fahrt auf, in welcher ein kulturübergreifender Generationenkonflikt im Zentrum steht.

Die deutsch-indische Regisseurin und Drehbuchautorin Neelesha Barthel stellt eine prinzipiell reizvolle, kontrastreiche Verbindung zwischen Kreuzberger Kiez-Charme und indischem Kolorit her. Die Oma verlangt, dass Kissy in farbenfrohen traditionellen Gewändern in einer Sänfte durch die Straßen zur Hochzeit getragen wird und der Bräutigam auf einem Elefanten daherkommt – zur Not darf es auch ein Esel sein. Indische Musik und ein wenig Bollywood mit Tanz- und Gesangseinlagen, das allerdings hauptsächlich auf Kissys Angstträume beschränkt bleibt, dürfen nicht fehlen. Ein spannender Kontrast entsteht auch zwischen den hohen Ansprüchen der Großmutter und dem sozialen Prekariat im Kreuzberger Haus. Robert hat keine Lust, zu arbeiten und lebt in den Tag hinein, und wenn jemand mal die zum Leidwesen der Großmutter nie erhöhte Miete nicht bezahlen kann, findet Kissy das auch nicht schlimm. Immer wieder führen diese großen Mentalitätsunterschiede und die Scheinanpassung an Omas Vorstellungen zu witzigen Dialogen.

Aber die Geschichte ist auch sehr konventionell geraten. So greift sie zum Beispiel auf die beliebte Idee zurück, Eltern, die bei der Hochzeit nicht anwesend sein können oder sollen, durch ein anderes Paar zu ersetzen. Hier halten für Roberts Eltern die von Wolfgang Stumph und Renate Krößner gespielten Mieter her, die aus einem völlig anderen Milieu kommen als die Anwälte mit Alt-68er-Hintergrund, die sie mimen sollen. Aber dieser Strang bleibt unergiebig, weil sich die etwas flatterhaft und oberflächlich wirkende Inszenierung nicht lange damit aufhält. Auch stört, dass sich die Großmutter dauernd und beinahe schon reflexhaft über die Zustände empören muss. So findet die Komödie weder im Tonfall, noch inhaltlich eine klare Linie und reiht stattdessen gelungene Szenen und Ideen an entweder uninspirierte oder mit zu dicken Pinselstrichen gemalte Passagen.

Fazit: Die Komödie der Berliner Regisseurin Neelesha Barthel nutzt den Generationenkonflikt zwischen einer indischen Großmutter und ihrer in Deutschland lebenden Enkelin für einen Culture-Clash mit Bollywoodflair vor Kreuzberger Kulisse. Gelungener Dialogwitz trifft auf eher uninspirierte Passagen, so dass es nur für ein durchschnittliches Filmvergnügen reicht.




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