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Ginger & Rosa - Hauptplakat
Ginger & Rosa - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Ginger & Rosa (2013)


"Ginger & Rosa" beginnt mit Bildern des Atombombenanschlags auf Hiroshima 1945. Zu dieser Zeit liegen Natalie (Christina Hendricks) und Anoushka (Jodhi May) in den Wehen und bringen jeweils eine Tochter zur Welt. Ginger und Rosa wachsen zusammen in einer Wohnsiedlung auf und sind beste Freundinnen. Ihre Kindheit fasst Regisseurin Sally Potter kurz in Bildern zusammen: Stets sind die Mädchen beinander, sie halten sich an den Händen, tragen ähnliche Kleidung und als Rosas Vater die Familie verlässt, ist Ginger für sie da.

Der Film konzentriert sich aber auf die Phase des Erwachsenwerdens. Mitterlweile sind Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) 17 Jahre alt und ohne einander kaum vorzustellen. Die Bilder von Kameramann Robbie Ryan ("Wuthering Heights) rücken die Mädchen stets in Zentrum. Sie stecken die Köpfe zusammen und sind sich so nah, dass die Kamera außen vor bleiben muss und nicht in diese Freundschaft oder das Innere der Protagonistinnen eindringen kann. Die Jungs, mit denen sie knutschen, erhalten keine Namen und nur selten ein Gesicht. Sie spielen für Ginger und Rosa keine große Rolle, da sie ja einander haben.

Doch die Verbundenheit aus Kindestagen ist zunehmend gefährdet. Rosa sieht ihren Weg zu einem Selbstbild in der Suche nach der wahren Liebe, Ginger will hingegen gegen die atomare Bedrohung des Wettrüstens zwischen der USA und Sowjetunion protestieren. Anfangs machen sie weiterhin alles gemeinsam, doch dann interessiert sich Rosa für Gingers Vater Roland (Alessandro Nivola). Argwöhnisch beobachtet Ginger die Annäherungsversuche ihrer Freundin und die Reaktion ihres Vaters, der sich allzu gerne als dichtender Bohème sieht, dem eine unangepasste Beziehung sehr gut stehen würde. In Elle Fannings Gesicht zeigen sich die widerstreitenden Gefühle des Stolzes auf ihren Vater, der Zuneigung zu Rosa und der Angst, die Aufmerksamkeit des Vaters und der besten Freundin zu verlieren. Sehr eindrücklich wird dieser Wandel in der Bildsprache ausgedrückt: In einer Szene beobachtet Rosa Roland durch ein Loch in der Wand und hört ihn weinen. Hier ist sie noch mit Ginger in einem Zimmer. Doch wenig später wird Ginger diejenige sein, die alleine ist – und Rosa und ihrem Vater zuhört.

Regisseurin Sally Potter vertraut in ihrem intimen Porträt eines jungen Mädchens sehr auf die Bilder und ihre Hauptdarstellerin Elle Fanning, die in fast jeder Szene zu sehen ist. Fraglos kann sie diesen Film tragen, aber auch sie vermag die zu elliptische Erzählweise nicht vollends auszugleichen. Ginger ist ein rätselhafter Charakter. Sie ist intelligent, wäre gerne eine Dichterin und wird von ihren Eltern sowie ihren Patenonkeln (Oliver Platt, Timothy Spall) geliebt und unterstützt. Auch deren Freundin Bella (Annette Bening) unterstützt sofort Gingers Aktivismus. Dennoch fühlt sich Ginger allein und verloren. Lässt sich diese Verlorenheit noch als Ausdruck des damaligen Zeitgeistes und der Suche eines Teenagers nach seiner Identität deuten, fehlen bei den weiteren Figuren die biographischen Hintergründe spürbarer. Insbesondere Rosa bleibt im Hintergrund. Ihr Verhalten lässt sich lediglich mit dem abwesenden Vater in ihrer Kindheit und einer generellen Neugier erklären, doch sie wird im Verlauf des Films zunehmend auf ihre Funktion als Handlungsmotor beschränkt. Auch die großartigen Nebendarsteller bleiben schemenhafte Figuren. Mit einer in ihren Nebenhandlungen stärkeren Geschichte hätte aus "Ginger & Rosa" ein starkes Drama werden können. Dennoch überzeugt der Film insgesamt durch die berückenden Bilder, die gut eingesetzte Musik und die zauberhafte Elle Fanning.

Fazit: Sally Potters "Ginger & Rosa" ist das berückende Porträt einer jungen Frau in den 1960er Jahren, das von Kameramann Robbie Ryan in eindrucksvolle und poetische Bilder gefasst wird.




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