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The Look of Love
The Look of Love
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: The Look of Love (2012)


Ausgehend von dem Tod von Paul Raymonds Tochter Debbie (Imogen Poots) erzählt Regisseur Michael Winterbottom in seinem Film "The Look of Love" von dem Aufstieg und Leben des Paul Raymond. Von Steve Coogan mit sehr viel Charme gespielt, ist die erste halbe Stunde des Films sehr unterhaltsam. In schön komponierten Bildern und mit einem ausgefeilten Produktionsdesign wird die damalige Zeit wieder lebendig, hinzu kommen einige Pointen und halbnackte Revue-Nummern. Doch mit zunehmendem Verlauf stellt sich die Frage, welche Geschichte Michael Winterbottom und Drehbuchautor Matt Greenhalgh eigentlich erzählen wollen. Lässt sich die Anziehungskraft von Paul Raymond dank Steve Coogan nachvollziehen, werfen sie keinen Blick hinter das Image dieses Mannes. Somit entsteht kein Psychogramm eines der erfolgreichsten Männer Großbritanniens, vielmehr wiederholen sich die Bilder und Anekdoten. Aber selbst für eine Sittengeschichte Englands fehlen die Reibungspunkte, so dass "The Look of Love" stets an der Oberfläche bleibt.

Es wäre weitaus interessanter gewesen, den Film aus Sicht von Pauls Tochter Debbie zu erzählen. Sie haben eine enge Beziehung, die insbesondere von Kritiklosigkeit bestimmt ist. Weder tadelt Paul Raymond seine Tochter für ihr Fehlverhalten oder ihren Drogenkonsum, noch legt Debbie ihm ihre Schwierigkeiten mit seinem Lebensstil und Frauenbild auseinander. Dadurch entsteht in ihrem Verhältnis eine Schieflage, die im Film aber nur ansatzweise damit erklärt wird, dass Paul seine Tochter hoffnungslos verwöhnt. Das ist umso bedauerlicher als Imogen Potts der Star dieses Films ist. Mit kleinen Blicken lässt sie die Dilemmata in Debbies Leben deutlich werden, ihre Suche nach Liebe und Anerkennung – und ihretwegen werden kleine Momente zu den eindrucksvollsten Szenen des Films.

Pauls Beziehungen zu den Frauen in seinem Leben sind die interessantesten Aspekte dieses Films. Seine erste Ehefrau und Debbies Mutter Jean (Anna Friel) wird anfangs als seine Gefährtin dargestellt, doch es gibt keine Gleichberechtigung in ihrer Beziehung. Vielmehr will auch sie letztlich nur ihrem Mann gefallen. Seine Geliebte Fiona (Tamsin Egerton) macht dank ihm Karriere, wird aber von dem oberflächlichen Leben abgestoßen. Offenbar scheint Paul Raymond nicht in der Lage, eine engere Bindung einzugehen - an seinen Söhnen zeigt er sogar gar kein Interesse. Die Gründe werden in dem Film angedeutet: Er braucht eher kritiklose Gesellschaft und Spaß als echte Nähe.

"The Look of Love" entpuppt sich daher als ein oberflächlicher Film, bei dem sicherlich mehr möglich gewesen wäre – gerade bei einem Filmemacher wie Michael Winterbottom, der mit "The Killer Inside Me" so viel Originalität bewiesen hat. So bleiben letztlich vor allem das detaillierte Produktionsdesign, der gute Soundtrack und Imogen Potts in Erinnerung.

Fazit: Gute Schauspieler, ein sorgfältiges Produktionsdesign und mitreißender Soundtrack machen aus diesem Film ein überwiegend unterhaltsames Vergnügen, das allerdings ebenso schnell vergessen ist wie eine der Erotik-Nummern aus einem Club Paul Raymonds.





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