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Staub auf unseren Herzen
Staub auf unseren Herzen
© Movienet

Kritik: Staub auf unseren Herzen (2012)


Kathi (Stephanie Stremler) ist 30 Jahre alt und lebt mit ihrem Sohn in Berlin. Dort will sie als Schauspielerin Fuß fassen, da ihre Bemühungen bis jetzt ohne großen Erfolg blieben. Sie quält sich von Casting zu Casting, um endlich wieder eine Rolle zu bekommen. Dies alles geschieht unter den Augen ihrer Mutter Chris (Susanne Lothar), die sich noch immer in Kathis Leben einmischt und deren Versuche, endlich selbständig zu werden und selbstbestimmt zu leben, dauernd untergräbt. Chris selbst arbeitet erfolgreich als Psychologin und sieht den beruflichen Misserfolg der Tochter mit großer Sorge. Als Kathi ihren 4-jährigen Sohn für kurze Zeit verliert, ergreift Chris die Gelegenheit, ihrer Tochter das Kind weg zu nehmen. Als wäre das alleine noch nicht genug, taucht urplötzlich und nach Jahren auch noch Kathis Vater auf, der seine Ex, Chris, zurückgewinnen will. Kathi gerät unvermittelt zwischen die Fronten der Eltern und der Konflikt mit Chris droht endgültig zu eskalieren. Durch die Rückkehr des Vaters ist Kathi nun gezwungen, die Schwierigkeiten und Probleme mit der Mutter endlich aus dem Weg zu räumen.

Mit dem Familien-Drama „Staub auf unseren Herzen“ beendete Hanna Doose ihre Ausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Der Film entstand im Sommer 2011 an 22 Drehtagen und Doose legte großen Wert auf Realismus und Authentizität. Aus diesem Grund entstand ein Großteil der Dialoge erst am Set und wurde weitestgehend improvisiert. Für die deutsche Schauspielerin Susanne Lothar war ihre Rolle in „Staub auf unseren Herzen“ eine ihre letzten, sie verstarb im Juli 2012. In diesem Monat erlebte der Film auf dem Filmfest München auch seine Premiere. Dort wurde er mit den Förderpreisen Produktion und Regie ausgezeichnet. Dank der herausragenden Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen und der Improvisation der Dialoge gelingt Hanna Doose ein unmittelbares, intensives Familien-Drama, das eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt rückt.

Die große Stärke von „Staub auf unseren Herzen“ ist die große Authentizität und Natürlichkeit von Film und Handlung. Vor Drehbeginn existierte lediglich ein dramaturgischer „roter Faden“, die meisten Szenen und Dialoge entstanden erst beim Dreh vor Ort. Somit kamen den Schauspielern durch die Möglichkeit der Improvisation viele Freiheit zu. Dass Susanne Lothar zu den besten und ausdrucksstärksten Darstellerinnen des Landes, mit einem Hang zu gebrochenen und schwierigen Persönlichkeiten, zählt, war vorher schon weitläufig bekannt. Vielmehr ist es Stephanie Stremler als Kathi, die hier erst in ihrem zweiten Spielfilm zu sehen ist und wie Lothar durch ihr hingebungsvolles, leidenschaftliches Spiel überzeugt. Beide Darstellerinnen verkörpern zutiefst komplexe Persönlichkeiten, deren Verhältnis untereinander durch Misstrauen und Vorurteile geprägt ist.

Kathi ist schon 30 aber hat ihr Leben bis heute nicht im Griff, sie kann sich mit ihren Engagements als Schauspielerin nur gerade so über Wasser halten. Mit der Erziehung des Sohnes scheint sie darüber hinaus überfordert. Zu all den ohnehin bestehenden Problemen und Widrigkeiten des Alltags kommt dann eben noch eine Mutter wie Chris hinzu, eine starke und selbstbewusste Person, die sich selbst als eine Art „Lebensberaterin“ sieht und sich immer und überall in das Leben von Kathi einmischt. Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt, als Chris ihrer Tochter den Sohn entzieht, da es Kathi ihrer Meinung nach an den notwendigen erzieherischen Fähigkeiten mangelt. Neben den Darstellern sorgen auch der häufige Einsatz der wackeligen Handkamera und die natürliche Farbgebung des Films für großen Realismus und Unmittelbarkeit. Was man dem Film einzig vorwerfen kann ist die Tatsache, dass sich durch die improvisierten und freien Dialoge und Szenen manches Mal eine gewisse Länge und Langatmigkeit einstellt, die mit Drehbuch eventuell zu verhindern gewesen wäre.

Fazit: Die überzeugenden Darsteller und die improvisierten Dialoge machen „Staub auf unseren Herzen“ zu einem sehenswerten, äußerst authentischen Familien-Drama.




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