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FBW-Bewertung: Boyhood (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Dieser bereits mit mehreren Preisen unter anderem auf den 64. Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnete Film von Richard Linklater verdient höchste Anerkennung.
Die Jury befand als markantes Zeichen seiner Qualität, dass der Film mit der Länge von164 Minuten, der den Zuschauer vom Beginn bis zum Abspann fasziniert und in Atem hält, echte Magie entfaltet.
Es war ganz sicher ein cineastisches Wagnis, einen Zeitraum von zwölf Jahren in einem Spielfilm umzusetzen, immer wieder mit den gleichen Hauptdarstellern unter anderem mit der eigenen Tochter Lorelei Linklater zu arbeiten. Auch in der Postproduktion wurde Hervorragendes geleistet, so dass ein Film aus einem Guss entstanden ist. Denn nicht nur die filmische Technik hat sich in dem langen Zeitraum verändert. Mit großer Leichtigkeit werden auch gesellschaftliche Prozesse und Ereignisse einbezogen. Nichts wirkt aufgesetzt. Als ein Beispiel sei die Sequenz angeführt, in der der junge Mason mit seinem Vater Wahlwerbung für Obama macht. Nur zwei Nebendarsteller wurden dazu geholt. Das genügt, um den ganzen Spannungsbogen, hier die Demokraten und da der Republikaner, aufzubauen.
Der Zuschauer begegnet Amerikanern unterschiedlicher Generationen und Anschauungen, ihren Haltungen zum Irak-Krieg, wird an die Begeisterung für die Star Wars-Filme erinnert, erlebt den Enthusiasmus für Harry Potter oder verschiedene Musikstile mit. Dies alles bildet ein sich bewegendes filmisches Kaleidoskop, das man sich, zugleich gern zuhörend, mit Vergnügen, Interesse und Spannung anschaut.Man lacht mit den Protagonisten und hat Angst um sie. Die Jury erkennt insbesondere auch die herausragende handwerkliche Leistung des gesamten Filmteams an: die Kamera, den Schnitt, den Ton, die Ausstattung und Maske.
Am Ende des Films, als Sohn und Tochter ihren eigenen Weg gehen werden, resümiert Masons Mutter: Ich bin ein paar Ehemänner los geworden und will nun auch noch das Haus los werden. Dieser Gedanke umreißt die Vielfalt und Dramatik des inzwischen Geschehenen. Das beinhaltet die verschiedenen Väter und ihren Einfluss auf die Entwicklung Masons, seiner Schwester und auch der Mutter, den mehrfachen Wechsel der Umgebung, die Zeit und Probleme der Pubertät, der Adoleszenz, das Suchen und Finden, das Sich- Binden und Loslassen und gipfelt im Sinne des Wortes in dem wunderbaren Schluss.




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