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Kritik: Diana (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Film beginnt mit Bildern des letzten Abends von Prinzessin Diana (Naomi Watts). Sie ist in einem Hotel in Paris, verlässt nach kurzem Zögern das Hotelzimmer und steigt mit mehreren Leibwächtern sowie Dodi Fayed (Cas Anvar) in den Fahrstuhl. Dann folgt ein Schnitt, die Handlung springt zwei Jahre zurück. Diana lebt von Charles getrennt im Kensington Palace und wartet auf die Scheidung. Von der Bevölkerung verehrt und Paparazzi verfolgt versucht sie, einen eigenen Weg zurück ins Leben zu finden. Dann begegnet sie eines Tages dem Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan (Naveen Andrews) und ist von ihm fasziniert. Sie treffen sich, verlieben sich – doch Hasnat will kein Leben in der Öffentlichkeit führen.

"Diana" hätte ein Film über die angeblich letzte Liebe von Prinzessin Diana werden können. Ein romantischer Film über die Unmöglichkeit dieser Beziehung, ein Drama über die Einsamkeit der schönen Prinzessin, eine Poetisierung der Liebe. Stattdessen aber kann sich Oliver Hirschbiegel nicht entscheiden, ob er einen möglichst umfassenden Film über die letzten zwei Lebensjahre von Diana, ein Psychogramm von Diana oder ein Liebesdrama drehen will. Das führt zu einem widersprüchlichen Gegeneinander von Einblendungen, die Authentizität suggerieren, und Szenen zwischen Diana und Hasnat, für die es keine Zeugen gibt. Beständig wird auf ihr Engagement gegen den Einsatz von Landminen hingewiesen, zugleich über ihre Kochkünste spekuliert – und beides scheint vor allem dazu geeignet gewesen zu sein, den Mann zu gewinnen. Erscheinen die ständigen lauernden Fotografen lästig, ist es ihr dennoch möglich, unerkannt und lediglich mit einer Perücke maskiert durch London zu gehen und sogar einen Club zu besuchen. Außerdem kann sie sich – sofern es in das Konzept dieser Liebesgeschichte passt – davon schleichen, in anderen Situationen aber nicht.

Indem er diese Widersprüche ignoriert, macht es sich Oliver Hirschbiegel zu leicht. Ohnehin ist ihm erstaunlich wenig eingefallen: Wiederholt zeigt die Kamera Dianas Füße – in High Heels, wenn sie in offiziellem Auftrag unterwegs ist, barfuß, wenn sie sich öffnet und privat ist. Dass sie eine einfache Frau ist, zeigt ihr Faible für Fernsehserien – und als es zu einer der vielen Streitigkeiten zwischen Diana und Hasnat kommt, sitzt sie anschließend im Kensington Palace, schreibt eine Karte und dabei tropfen Tränen auf die geschriebene Tinte. Diese klischeehaften Bilder passen ebenso wie die zuckersüßen und naiven Dialoge in eine Saop als in einen Kinofilm.

Selbst das dramatische Potential dieser Liebesgeschichte nutzt Oliver Hirschbiegel indes nicht aus. Abermals wird Diana von der Familie des Mannes nicht akzeptiert, auch Hasnat erkennt nicht, wer Diana ist – auch wenn der Film uns das glauben lassen möchte. Jedoch ignoriert er den Teil ihres Lebens, der ihm nicht gefällt, er überlässt es ihr, einen Ausweg zu finden. Auf diesen Konflikt geht der Film ebenso wenig ein wie auf Schattenseiten an Dianas Charakter – von dem gelegentlichen Paparazzi-Kontakt abgesehen –, sondern bedient vielmehr das idealisierte Bild einer einsamen Prinzessin, die sich nach Liebe und Familie sehnt. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass ihre Söhne in dem Film kaum zu sehen sind. Auch der Palast und die königliche Familie kommen lediglich in Zeitungsausschnitten und Telefonaten vor, von ihrem Kampf um Unabhängigkeit ist kaum etwas zu sehen. Stattdessen wird viel über die Liebe gesprochen. Und Diana rettet sich in die Zeile "now that I have been loved, I don’t feel lonely anymore". Doch so einfach ist es wohl nicht.

Letztlich kann lediglich Naomi Watts als Prinzessin Diana überzeugen. Gerade bei den öffentlichen Auftritten imitiert sie den scheuen Blick, die leicht zurückbeugende Haltung. Privat ist sie anders, dadurch ist ihre Ähnlichkeit auch geringer. Vielmehr vermittelt sie einen Eindruck, wie Diana sich vielleicht verhalten hat, wie glücklich ein normaler Fernsehabend so machte – und wie sehr sie das Gefühl vermisste, unerkannt in der Stadt umherzugehen. Doch auch sie kann nur wenig gegen die Lücken im Drehbuch ausrichten. Außerdem bleibt Hasnat zu skizzenhaft, indem er auf seine Tätigkeit als Herzchirurg reduziert wird. Zu guter Letzt suggeriert der Film dann auch noch, dass Dianas Tod hätte vermieden werden können, wenn sich Hasnat anders verhalten hätte oder Diana zurück zu einem klingenden Telefon gegangen wäre. Das ist nicht tragisch, sondern hinterlässt einen äußerst bitteren Beigeschmack.

Fazit: "Diana" ist ein schwülstiger Liebesfilm mit pseudo-kritischem Anstrich, in dem lediglich die Hauptdarstellerin überzeugt.




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