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The Sapphires
The Sapphires
© Senator Film

Kritik: The Sapphires (2012)


An Biopics über Ikonen der populären Musik gab es selten Mangel. Früher oder später erhält jeder Star und jede legendäre Combo ihre artgerechte Würdigung; sei es als Dokumentation oder in Form eines Spielfilms. Und wenn es sich dabei bloß um die Bilanz eines fulminanten Scheiterns handelt, wie beispielsweise bei "Anvil! The Story of Anvil". Von einer anderen Seite präsentiert sich allerdings das Entertaintment-Versatzstück von Wayne Blair, das in Spielfilm-Form, basierend auf einem realen Hintergrund, den scheinbaren Spagat zwischen Unterprivilegierten-Drama, Biopic und Feelgood-Movie probiert.

Zu Beginn könnte der Eindruck entstehen, dass Hollywood nun die Aborigines entdeckt hat um neuen Stoff für tragische Geschichten über ethnische Minoritäten zu haben. "The Sapphires" ist jedoch keinesfalls mit Filmen wie "Long Walk Home" vergleichbar, auch wenn das Thema der weißen Mischlingskinder, die oft an kinderlose weiße Familien verkauft wurden, angerissen wird. Vielmehr weckt dieser Streifen Assoziationen an "Dreamgirls". Musik steht eindeutig im Mittelpunkt, und die macht auch wirklich Laune, mit dem Preis natürlich, dass die kritischen Töne in den Hintergrund geraten und regelrecht verseichten.

Schauspielerisch wird man zudem nicht wirklich vom Hocker gerissen werden, sieht man mal von einigen gelungenen Momenten mit Chris O´Dowd ab, der den versoffen-verranzten Musikpromoter mit Hingabe spielt. Auf (ungewollten) Schlingerkurs zwischen Diskriminierungstönen, romantischen Attitüden, rührseligem Sister-Movie und mitreißender musikalischer Performance lässt Wayne Blairs Regiedebüt einiges an Substanz. Selbst das grausame Kriegsgeschehen in Vietnam verwandelt sich ein Stückweit zum Zeltlager mit Abenteuercharakter. Nur ein einziges Mal wird die Frontromantik ernstlich durchbrochen. Selbst im Bombenhagel aber verliert "The Sappharies" nicht gänzlich seine süßliche Kruste.

Anders als viele andere Biopics handelt der Film auch nicht von einer wirklich großen Band oder Gesangsgruppe. Das Ganze ist im Grunde nicht mehr als eine geschichtliche Randnotiz, die, getragen durch die gelungenen musikalischen Darbietungen, zu einem kompletten Spielfilm aufgebläht wurde. Der Wahrheitsgehalt, der ohnehin bei solchen Hollywood-Nacherzählungen, strapaziert wird, reduziert sich dann letztendlich auch auf zwei Aborigine-Schwestern, die aber tatsächlich als "Soul-Sister" 1968 vor den GI´s in Vietnam auftraten.

Fazit: "The Sapphires" mag irritieren, wenn Erwartungen Richtung Diskriminierungsdrama gelegt wurden und ein tiefgreifender Diskurs über die Ungerechtigkeiten erwartet wird, die den Aborigines widerfuhren. Der Film versucht sich aber weitaus weniger an der Gradwanderung zwischen Aufarbeitung und Unterhaltung als es anfänglich erscheinen mag. Er ist seicht, aber bekömmlich und hinterlässt gute Laune gepaart mit einer Prise Nachdenklichkeit.





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