VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Allein die Wüste
Allein die Wüste
© Real Fiction

Kritik: Allein die Wüste (2011)


Allein die Wüste-Kritik "Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste." So lautet ein berühmtes Zitat des deutschen Schriftstellers Hans Krailsheimer. Ob selbst gewählte, freiwillige Einsamkeit wirklich so schön ist, wollte der Regisseur und Kameramann Dietrich Schubert wissen und wagte ein sehr persönliches Experiment. Schubert fuhr im September 2010 in die marokkanische Wüste und ließ sich inmitten der endlosen Weiten nieder. Er wollte herausfinden, wie lange er die Einsamkeit und Stille der Wüste aushält. Die Idee zu diesem "Projekt" kam Schubert im Rahmen früherer Dreharbeiten, die ihn bereits mehrfach in abgeschiedene Wüstengegenden geführt hatten. Diesmal jedoch machte er sich ganz alleine und ohne Filmteam auf die Reise. Herausgekommen ist weniger eine spannende Wüsten-Doku, in der man viel über Flora und Fauna der Umgebung lernt, als vielmehr das filmische Tagebuch einer ganz persönlichen Selbsterfahrung.

Mitten in der marokkanischen Wüste, in Zagora, baute Filmemacher und Doku-Spezialist Dietrich Schubert sein Zelt auf, um dort – ganz auf sich alleine gestellt und ohne fremde Hilfe – zu testen, wie lange er es allein in der Wüste aushält. Mit 135 Litern Trinkwasser, 80 Litern Brauchwasser, solarbetriebenen Akkus und haltbarer Verpflegung im Gepäck, fuhr der 70-jährige auf der Suche nach einem passenden Platz quer durchs Wüstengelände. Am 25. September fand er den perfekten Ort: ein besonders abgelegener Platz mit scheinbar endlosem Weitblick und die beeindruckende Bergkette direkt vor Augen, dazu in unmittelbarer Nachbarschaft einer freistehenden Akazie gelegen.

Gleich vorweg: In Dietrich Schuberts filmischem Tagebuch "Allein die Wüste" passiert fast nichts. Der Film zeigt 85 Minuten lang lediglich einen Mann, der zumeist im Zwiegespräch mit sich selbst steht. Eine Handlung oder einen dramaturgischen roten Faden sucht man hier vergebens. Schubert startet seinen Film mit einem 360-Grad-Schwenk von der ihn umgebenden, scheinbar endlosen marokkanischen Wüste und vermittelt damit schon zu Beginn ein Gefühl von Einsamkeit und Leere. Im Verlauf des Films sieht und vor allem hört man Schubert zumeist im Gespräch mit sich selbst. Manchmal spricht er direkt in seine Kamera, meistens jedoch hört man seine Stimme nur aus dem Off und er kommentiert die Dinge, die ihm in der sandigen Einöde widerfahren – oder eben nicht widerfahren. Denn wirklich viel passiert in "Allein die Wüste" nicht. Eine wirkliche Handlung oder zumindest den Ansatz eines dramaturgischen roten Fadens lässt der Film vermissen.

Das Spannendste was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist ein mehrere Tage andauernder Sandsturm und ein Beduine samt Kamel, der sich in weiter Entfernung durch den Sandsturm kämpft. Besuch erhält Schubert während seines Experiments einzig von einer benachbarten Maus ("Herr Maus"), die er täglich füttert und einem angstfreien, kontaktfreudigen Vogel der Gattung Mula Mula ("Frau Mula Mula"). Die Ereignislosigkeit wirkt auf den Zuschauer mitunter extrem langatmig und schwerfällig. Ein weiteres Problem ist, dass die Dinge, die Schubert erfährt und durchlebt, optisch nur schwer vermittelbar sind. So sieht man zwar den Sandsturm und er berichtet auch von der drückenden Hitze und unerträglichen Schwüle (Ende September sind Temperaturen um die 40 Grad für die marokkanische Wüste nichts Ungewöhnliches). Dies lässt sich dem Zuschauer in Form eines filmischen Tagebuches ohne Dramaturgie visuell jedoch nur schwer vermitteln.

Doch dem Umstand der Ereignislosigkeit ist es auch geschuldet, dass Schuberts dokumentarischer Erfahrungsbericht trotz der fehlenden Spannung äußerst authentisch und glaubwürdig geraten ist. Er lässt den Zuschauer an seinem Alltag teilhaben und macht deutlich, dass an diesem Ort eben nicht viel passiert und sich das Leben in der Einöde als ungeheuer einsam und lethargisch gestaltet. So gelingt es ihm, die Stille, Ruhe und Ereignislosigkeit der Wüste widerzuspiegeln und für den Zuschauer ein Stück weit erfahrbar zu machen. Darüber hinaus hat sich Schubert einen doch eindrucksvollen Ort für sein Experiment ausgesucht. Die unendliche Weite der sandigen, vielseitigen und bunten Wüstenlandschaft beeindruckt ebenso wie das Panorama der hohen Berge, die sich am Horizont aufbauen.

Fazit: "Allein die Wüste" ist ein persönliches filmisches Tagebuch über ein gewagtes Experiment ohne dramaturgischen Faden aber mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und schöner Naturkulisse.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.