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Kritik: Frauensee (2012)


Rosa (Nele Rosetz) und Kirsten (Therese Hämer) könnten unterschiedlicher nicht sein, nur eine Sache scheint sie miteinander zu verbinden: ihre Liebe. Seit etwa anderthalb Jahren leben sie in einer Beziehung. Rosa lebt als Fischwirtin allein von der Fischerei und ist der Natur sehr verbunden. Kirsten hingegen ist eine ehrgeizige, erfolgsverwöhnte Architektin, nur selten hält ihr Handy einmal still. Kirsten bewohnt einen idyllisch gelegenen Bungalow an einem See in der Nähe von Berlin, in dem die beiden Frauen oft ihre gemeinsame Zeit verbringen. Aufgrund des verschiedenen Alltags und der unterschiedlichen Lebensentwürfe, wird ihre Beziehung immer mehr zu einer Herausforderung, der sie sich jeden Tag aufs Neue stellen müssen. Eines Tages lernen Rosa und Kirsten die beiden jungen Studentinnen Evi (Lea Draeger) und Olivia (Constanze Waechter) kennen, die in der Nähe des Bungalows ihr Zelt aufgeschlagen haben. Die vier Frauen kommen sich langsam näher an und verbringen schließlich das ganze Wochenende zusammen. Bald entsteht eine erotische Spannung zwischen den zwei Paaren, die für allerlei Verwirrung und Gefühlschaos sorgt.

„Frauensee“, ein Film des österreichischen Regisseurs und Musikers Zoltan Paul, porträtiert einfühlsam und mit viel Gespür für die Protagonistinnen zwei völlig unterschiedliche lesbische Beziehungen, die durch die (emotionalen) Ereignisse am See auf eine harte Probe gestellt werden. Der Film entstand im vergangenen Jahr und erlebte seine Premiere bei den Filmtagen in Hof im Herbst 2012. Paul nimmt sich bei der Entwicklung seiner Geschichte viel Zeit für seine Figuren, die sich im Verlauf des Films gegen allerlei Gefühlsirrungen und – wirrungen behaupten müssen.

Im Zentrum der Handlung steht die Fischerin Rosa, deren Alltag sich im Gegensatz zu dem ihrer Lebensgefährtin Kirsten so ganz anders gestaltet. Während Rosa die meiste Zeit des Tages auf ihrem Fischerboot in der Einsamkeit der Natur verbringt und einen geregelten Arbeitstag hat, hetzt die erfolgsverwöhnte Architektin Kirsten von einem Termin zum nächsten und muss für ihre Kollegen ständig telefonisch erreichbar sein. Kirsten ist die erfolgshungrige Karrierefrau, während Rosa schon damit zufrieden ist, wenn man ihr nicht schon wieder die Netze aufgeschnitten und die darin befindlichen Fische geklaut hat. Dass zwischen den beiden Frauen nicht immer alles stimmt und dass es häufig zu Spannungen kommt, merkt man recht schnell, so richtig deutlich treten die Probleme aber erst zum Vorschein, nachdem die beiden Frauen die Bekanntschaft mit Evi und Olivia gemacht haben. Schließlich laden Kirsten und Rosa das Studentinnen-Pärchen für ein Wochenende in den Bungalow ein, wodurch ein gewaltiges Gefühlschaos losgetreten wird.

Schnell fühlt sich Rosa sehr zu der heftig mit ihr flirtenden Evi hingezogen. Zwischen den beiden Frauen baut sich schnell eine erotische Spannung auf, die sich aufgrund der Tatsache, dass sich Beide in einer Beziehung befinden, nie vollständig entladen kann. Natürlich bleiben die intensiven Flirts der Beiden nicht lange geheim. Die Beziehungen werden allmählich aufgeweicht und unterschwellige, verdrängte Probleme kommen dabei im nachdrücklichen Zusammenspiel des Darstellerinnen-Quartetts langsam aber sicher an die Oberfläche. Großes Lob gebührt den vier Darstellerinnen, die ihre Rollen allesamt blendend ausfüllen und das Spiel mit den Versuchungen und sexuellen Anspielungen facettenreich präsentieren. „Frauensee“ ist ein ruhiger, langsam erzählter Film, der großen Wert auf melancholische, getragene Stimmung und Atmosphäre legt. Diese kommt durch den malerischen, abgeschiedenen Schauplatz der Handlung am See besonders gut zur Geltung. Dass viele Szenen und Dialoge so frisch und unverkrampft wirken liegt daran, da weite Teile des Films improvisiert wurden und spontan entstanden. Interessant dabei ist, dass der Film ohne viel Handlung auskommt und seine sommerliche, gute Laune – über die er trotz der ganzen emotionalen Konflikte im Überfluss verfügt – versprüht und auf den Zuschauer überträgt.

Fazit: „Frauensee“ ist ein stimmiges, glänzend gespieltes Beziehungs-Drama, das ohne viel Handlung auskommt und seine sommerliche, heitere Stimmung vor allem durch den malerischen, idyllischen Schauplatz der Handlung versprüht.





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