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Das Mädchen Wadjda - Hauptplakat
Das Mädchen Wadjda - Hauptplakat
© Koch Media

Kritik: Das Mädchen Wadjda (2012)


"Das Mädchen Wadjda" ist in zweierlei Hinsicht ein Kuriosum. Kaum zu glauben, aber es handelt sich hierbei um den ersten saudi-arabischen Spielfilm überhaupt. Noch nie wurde zuvor ein Film in dem streng religiösen Königreich gedreht. Die zweite Besonderheit: "Das Mädchen Wadjda" wurde von einer Frau inszeniert. Das ist insofern etwas ganz besonderes, da es sich bei Saudi-Arabien um ein Land handelt, das die Rechte von Frauen auf radikalste Weise unterdrückt. Frauen gehören dort der untersten Schicht der Gesellschaft an. Dennoch gelang es der Regisseurin und Drehbuchautorin Haifaa Al Mansour mit viel Einsatz, Können und großem Selbstbewusstsein, ihren Erstling in Saudi-Arabien zu realisieren. Ihr gelingt ein Film, der den (westlichen) Kinobesucher auf eine zugleich erschreckende und berührende Reise in die (Lebens-)Realität saudi-arabischer Frauen mitnimmt, und am Ende trotz aller Tragik dennoch einen Hauch von Hoffnung beim Zuschauer hinterlässt.

Nur vordergründig handelt es sich bei "Das Mädchen Wadjda" um einen schlichten Film mit einfacher Handlung. Der Film ist vielmehr als das Werk über ein saudi-arabisches Mädchen, das von einem besonderen Spielzeug träumt und alles daran setzt, ihren Traum zu erfüllen. In Wahrheit ist "Das Mädchen Wadjda" ein intensiv gespieltes, bedrückendes Gesellschaftsporträt, das den Zuschauer gefangen nimmt und ihm vor Augen führt, welchen Schikanen und Repressalien Frauen in dem vorderasiatischen Land ausgesetzt sind. Auf für einen westlichen Betrachter kaum vorstellbare Weise ist das alltägliche Leben von Mädchen und Frauen eingeschränkt. Jegliche Form von Kultur und kulturellem Leben für die Frau gilt in Saudi-Arabien als Sünde und muss unterbunden werden. Unglaublich: Im ganzen Land gibt es seit den frühen 70er-Jahren kein einziges Kino. Doch damit nicht genug.

Frauen dürfen kein Auto fahren und sind deshalb stets abhängig von ihrem Ehemann oder männlichem Chauffeur. Frauen müssen sich in der Öffentlichkeit komplett verhüllt zeigen und sich vor den Blicken Fremder verbergen. Ja sogar hinter Schulmauern ist das Spielen und Spaß haben verboten, wenn auf einem dutzende Meter weit entferntem Balkon ein Mann steht, der die Mädchen beobachten könnte. All dies zeigt "Das Mädchen Wadjda" und veranschaulicht die Unterdrückungen in aller Härte und Deutlichkeit. Der Film ist daher weniger für Feministinnen und allzu zart Besaitete geeignet, die ihre Probleme damit haben, einem unterdrückenden Regime dabei zuzusehen, ein ganzes Geschlecht klein zu halten und zu unterjochen. Es ist Regisseurin Al Mansour sehr hoch anzurechnen, dass sie in ihrem Film nun aber nicht hergeht und mit erhobenem Zeigefinger auf die Unterdrücker, die Männer, deutet oder die ach so böse "Religion" an den Pranger stellt. Werturteilsfrei, unvoreingenommen und regelrecht objektiv schildert sie den alltäglichen Überlebenskampf der Frauen in Saudi-Arabien aus sicherer Entfernung und nimmt sich am Ende das Recht heraus, keine abschließende Bewertung des Gezeigten abzugeben. Ein aufrüttelnder, mutiger Film.

Fazit: "Das Mädchen Wadjda" schildert nachdrücklich und auf beklemmende Weise, wie die Lebensrealität von Frauen in Saudi-Arabien aussieht, ohne dabei ein abschließendes Urteil über die Geschehnisse auf der Leinwand zu fällen.





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