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Kritik: Der Koch (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Es ist nicht einfach, die Sinnlichkeit des Kochens oder Essens in ein Medium zu transponieren, das ohne Gerüche auskommt. Martin Suter ist es in seinem Buch "Der Koch" gelungen – und dem Film von Ralf Huettner stünden noch mehr Möglichkeiten als Worte zur Verfügung: das Bild, der Ton, die mise-en-scene und die Schauspieler beispielsweise. Aber in der Verfilmung von "Der Koch" ist von dieser Sinnlichkeit nichts zu spüren, weit schlimmer noch: mitunter mutet es lächerlich an, wenn sich Andrea (Jessica Schwarz) und Maravan (Hamza Jeetooa) bei einem aphrodisierenden Menü selbst vergessen und ihrer Leidenschaft hingeben. Das liegt nicht an den Schauspielern, die ihre Sache gut machen: Jessica Schwarz ist eine hübsche Kellnerin, die Maravan sehr früh darauf aufmerksam macht, dass sie lesbisch sei, Hamza Jeetooa spielt den kontrollierten Maravan, eigentlich ein Meister der Kochkunst, der als Hilfskraft in einem Sternelokal arbeitet, während er auf seinen Asylbescheid wartet, mit viel Wärmer unter der ruhigen Oberfläche. Jedoch spricht Hamza Jeetooa eigentlich englisch, so dass er im Nachhinein synchronisiert wurde – natürlich mit dem ‚typischen‘ Akzent eines Tamilen. Dadurch stimmen Lippenbewegungen nicht überein, außerdem werden alle Nachteile der Synchronisation hier deutlich: Texte werden ohne Gefühl und Sinn für Atmosphäre mit viel Pathos gesprochen, so dass sich in jeden Dialog Sterilität einschleicht. Ein Prickeln stellt sich noch nicht einmal im Anflug dar – stattdessen bleibt stets eine Distanz zu dem Geschehen auf der Leinwand.

Darüber hinaus weicht der Film auch noch die letzten Ecken des ohnehin schon glatten Romans auf: gute und böse Figuren sind auf den ersten Blick zu erkennen, eine moralische Grauzone gibt es nicht. Stattdessen setzt der Film auf die altbekannte Mischung aus Rührung und leichter Komödie, aber da eine Liebesgeschichte zwischen Maravan und Andrea ausgeschlossen ist, wird kurzerhand Maravans Familiengeschichte erzählt. Dieser Aspekt bringt sowohl Exotik als auch Dramatik und verleiht dem letzten Konflikt – Andreas Freundin ist eine kubanische Prostituierte, die von einem Waffenhändler angeheuert wird – eine zusätzliche persönliche Note.

Es ist viel zu leicht zu durchschauen, auf welche Weise in "Der Koch" Publikumsherzen gerührt werden sollen, die Ernsthaftigkeit des Bürgerkriegs in Sri Lanka passt nicht zu dem platt-inszenierten Love Food, auch der Alltag der tamilischen Asylbewerber wird nicht im Ansatz deutlich. Deshalb ist "Der Koch" ein steriler Film ohne Leidenschaft und Sinnlichkeit.

Fazit: Ein Koch, eine Kellnerin und ein Catering für Liebesmenüs ergeben eine wenig prickelnde Mischung.





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