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Camp 14: Total Control Zone
Camp 14: Total Control Zone
© Real Fiction

Kritik: Camp 14: Total Control Zone (2012)


Kalter Krieg und Ostblock sind längst Geschichte, selbst China öffnet sich allmählich dem Westen. Ein Land, das nach dem II. Weltkrieg das gleiche Schicksal wie Deutschland ereilte, in dem es in zwei Teile getrennt wurde die sich politisch extrem unterscheiden, hält allerdings den eisernen Vorhang fest heruntergezogen. In Nordkorea sind all jene Dinge, wie Pressefreiheit oder das Recht auf freie Meinungsäußerung, die wir als selbstverständlich erachten, nicht mehr als ein Mythos und so etwas wie Freiheit ist pure Illusion. Von der Würde des Menschen ganz zu schweigen.

Sinnbild dieser totalitären Gesinnung sind die Todeslager. Arbeitslager mit Minen und Fabriken, in die jene gelangen, die als politischen Häftlinge gelten. Und das kann in Nordkorea unheimlich schnell vonstatten gehen. Es genügen bereits Verstöße einer Größenordnung, die uns geradezu absurd erscheinen wollen, wie ein unangemessener Tonfall in der Stimme, wenn der Name des Präsidenten fällt, damit sich manch einer dort wiederfindet- ohne die Hoffnung jemals wieder das Licht der Freiheit zu erblicken. 200000 Menschen befinden sich augenblicklich in diesen Lagern; vegetieren dort unter unvorstellbaren Verhältnissen; müssen von morgens bis spät in der Nacht elendlich schuften; sind dabei der brutalen Willkür ihrer Wärter ausgesetzt, werden geschlagen, misshandelt, gefoltert und getötet, ohne dass sich jemand dafür rechtfertigen müsste. Freiheit verspricht einzig der Tod oder die (meist gleichbedeutende) Flucht.

Marc Wieses Dokumentarfilm greift die Lebensgeschichte von Shin Dong-Hyok auf, der in solch einem Todeslager geboren wurde und dem die Flucht nach 23 Jahren gelang. In vielen einfühlsamen Gesprächen gelang es dem Filmemacher, der ein Händchen für die ebenso erschütternden wie aufrüttelnden Themen zu verfügen scheint, Shin dazu zu bewegen, über die Zustände im Lager und sein Leben dort zu sprechen. Selbst durch die Distanz der Kamera erlebt der Zuschauer dabei immer wieder einen Menschen, der durch die vielen Grausamkeiten dem Hier und Jetzt stets ein Stück weit entrückt ist, als wäre seine Seele immer noch im Lager gefangen, wie er es selbst zuweilen äußert.

So intensiv die Schilderungen aber auch sein mögen, die beklemmende Atmosphäre und die Hoffnungslosigkeit, die in diesen Lagern vorherrscht, wird erst durch die aufs Wesentliche reduzierten Trickfilmsequenzen einigermaßen greifbar, die parallel Shins Schilderungen begleiten. Es sind Szenen des alltäglichen Lebens im Lager, jedoch auch solche von Bestrafungen und Hinrichtungen. Und Hinrichtungen waren mitunter an der Tagesordnung. Schließlich existierte im Camp für beinahe alle Vergehen lediglich eine einzige Bestrafung - selbst für die Kinder und bereits bei lächerlich geringen Vergehen.

Kaum fassbar jedoch, dass es Wiese zudem gelang, zwei der Verantwortlichen Nordkoreaner vor die Kamera zu bekommen, die beide heute allerdings in Südkorea leben. In langen Interviews standen die ihm über all diese Verbrechen offen Rede und Antwort. Darunter ein früherer Kommandant eines solchen Lagers und ein ehemaliger Geheimdienstler, der unzählige politische Straftäter verhörte. Die Schilderungen beider bilden in ihrer überwiegenden Nüchternheit ein schockierendes Dokument menschlicher Barbarei und offenbaren, dass diese Todeslager, die von der nordkoreanischen Regierung totgeschwiegen werden, den Konzentrationslagern des NS-Regimes, an die die Erinnerung langsam zu verblassen droht, in kaum etwas nachstehen.

Fazit: Marc Wieses Film mit seinem Protagonisten, der unsägliches Leid erfahren musste, liefert ein überaus beklemmendes wie verstörendes Zeugnis eines perversen menschenverachtenden Apparates ab. Und auch wenn solche Filme vielleicht wenig an der Situation an sich zu verändern vermögen, rütteln sie doch auf und nötigen uns ein wenig mehr Wertschätzung vor jenen Freiheitsgraden ab, die für uns alltäglich sind.





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