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Kritik: Houston (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Den erst zweiten Spielfilm des deutschen Regisseurs Bastian Günther zeichnet bereits eine beachtliche künstlerische Reife aus. Der Film beginnt ebenso nüchtern, wie präzise mit der Schilderung von Clemens Truschkas kaltem Arbeitsumfeld und seinem desolatem Privatleben. Der Begriff der Ethik ist in seinem Job ein Fremdwort, was zählt ist alleine möglichst schnell verdientes Geld. Sowohl der Manager, den Truschka heimlich abwerben soll, als auch er selbst sind für seinen Vorgesetzten nur Spielsteine auf dessen Weg zum schnellstmöglichen Aufstieg auf der Karriereleiter. In diesem Umfeld bedarf es keiner gesonderten Erklärung, weshalb dieser Headhunter ein Alkoholiker ist, der nur noch mit Mühe sein äußerliches Leben zusammenhält. Die Stadt Houston ist für ihn wie ein Katalysator, der alle seine inneren Dämonen endgültig ans Tageslicht bringt. Mit einer Art von kalter Poesie fängt die Kamera von Michael Kotschi die geometrischen Fassaden aus spiegelndem Glas und die sterilen Innenräume in Hotellobbys und in Bürorezeptionen ein.

Was zuerst wie reine nüchterne Sachlichkeit wirkt, offenbart sich zusehends als ein äußeres Spiegelbild für Truschkas desolate Befindlichkeit. Die glatten Fassaden spiegeln sein inneres Abprallen, an einer Welt, die ihm fremd bleibt. Sein Weg durch leere Straßen und sterile Gänge wird für Truschka immer mehr zu einem sinnlos erscheinenden kafkaesken Trip, der keine Möglichkeit wirklich Anzukommen verspricht. Der Headhunter erlebt sich selbst als ein ganz kleines, unbedeutendes Rädchen, in einem gewaltigen, undurchdringbaren Räderwerk, das völlig zweckfrei immer weiterläuft. Der Manager, hinter dem Truschka her ist, ist einer der scheinbar unerreichbaren Strippenzieher in dieser komplexen Maschine, die globalisierter Kapitalismus heißt. Der sich zuerst so cool gebende Robert Wagner offenbart sich hingegen immer mehr als Truschkas Leidensgenosse. Wagners Job besteht unter anderem darin, Menschen um kleine Gefälligkeiten zu bitten, die eigentlich gegen deren Vorschriften verstoßen und dann, wenn sie trotzdem so freundlich sind, ihre Kündigung zu veranlassen. Was für eine Welt!

Fazit: "Houston" ist eine poetische Parabel auf die zunehmende Entmenschlichung in einer Gesellschaft, die nur noch nach dem Takt der globalen Wirtschaft tickt.




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