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Schuld sind immer die anderen
Schuld sind immer die anderen
© FFL Film- und Fernseh-Labor Ludwigsburg GmbH & Co. KG

Kritik: Schuld sind immer die anderen (2012)


"Schuld sind immer die anderen" ist das erstaunlich reife und authentische Langfilmdebüt des österreichischen Filmemachers Lars-Gunnar Lotz. Bemerkenswert ist, das Lotz mit diesem Film sein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg abschloss. "Schuld sind immer die anderen" wirkt dabei zu keinem Zeitpunkt wie ein Debüt- oder Abschlussfilm, so stimmig, rund und über die komplette Spielzeit mitreißend ist er geraten. Seine Premiere feierte er im Januar des letzten Jahres beim Max Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken. Im Laufe des Jahres konnte er dann eine ganze Reihe an nationalen und internationalen Auszeichnungen einheimsen, so wurde er z.B. beim Filmfest Emden-Norderney mit gleich drei Preisen ausgezeichnet.

"Schuld sind immer die anderen" behandelt nachdrücklich die Frage nach Schuld und Sühne, genauer, ob man einem Menschen, der einem Schlimmes angetan hat, vergeben kann oder sollte. Alles dreht sich um den jugendlichen Straftäter Ben, der in seinem jungen Leben schon fast alle erdenklichen Straftaten hinter sich gebracht hat: von Raubüberfall über Diebstahl bis hin zu Körperverletzung. Im Gefängnis zeigt Ben schließlich keinerlei Reue, im Gegenteil: Einrichtungen des freien Vollzugs und Resozialisierungsmaßnahmen bezeichnet er als "Schwuchtelkram" und "Opferkacke". Der beherzte Sozialarbeiter Niklas will dem jungen Intensivstraftäter dennoch die Chance auf einen Neuanfang geben und bietet ihm daher die Teilnahme an der Maßnahme im abgeschiedenen Waldhaus an. Edin Hasanovic spielt den brutalen und rücksichtslosen Intensivstäter dabei mit einer entwaffnenden Intensität und Kompromisslosigkeit. Auch die übrigen Darsteller - vor allem Marc Ben Puch als Niklas und Julia Brendler als Eva - verschmelzen mit ihren Rollen und agieren zu jeder Zeit glaubwürdig. Die einzige kleine Schwäche des Films ist die überflüssige und klischeehafte Liebesbeziehung zwischen Ben und einer Praktikantin im Waldhaus, die für den Fortgang der Geschichte keinerlei Bedeutung hat und daher aus dem Drehbuch hätte gestrichen werden können.

Der Film gewinnt an Spannung und Dramatik in dem Augenblick, in dem Ben in der Hausmutter Eva, ein früheres Opfer einer seiner brutalen Gewalttaten, wiedererkennt. Von da an widmet sich Regisseur Lotz intensiv dieser extremen Ausnahmesituation, dass Täter und Opfer auf engstem Raum und in der Abgeschiedenheit eines einsam gelegenen Hauses aufeinandertreffen und viel Zeit miteinander verbringen müssen. Ben sieht sich mit seinen immensen Schuldgefühlen konfrontiert, vor allem nachdem er erfährt, welch tragische Folge die Tat von damals für Eva hatte. "Schuld sind immer die anderen" beleuchtet dabei eindringlich gleichermaßen die Gefühle und Konflikte von Täter (Ben) und Opfer (Eva). Diese muss sich am Ende die alles entscheidende Frage stellen, ob sie ihrem Peiniger die Tat mit all ihren tragischen Konsequenzen verzeihen kann.

Fazit: "Schuld sind immer die anderen" erzählt die spannende und bewegende Geschichte eines jugendlichen Intensivstraftäters, der die Chance zur Resozialisierung erhält. Der Film besticht durch seine starken Darsteller und wirft vor allem in der zweiten Filmhälfte die schwierige Frage nach Schuld und Sühne auf.





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