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Der böse Onkel - Plakat
Der böse Onkel - Plakat
© dejavu filmverleih

Kritik: Der böse Onkel (2011)


"Der böse Onkel", geschrieben und inszeniert vom schweizerischen Filmemacher Urs Odermatt, feierte seine Deutschlandpremiere Ende vergangenen Jahres auf der Leipziger Filmkunstmesse, einem Festival für Arthousefilme - und war dort sicherlich nicht fehl am Platze. Denn "Der böse Onkel" erzählt seinen (scheinbar von einem tatsächlichen Missbrauchsfall in Aargau inspirierten) Plot um den Kampf einer Mutter gegen sexuellen Missbrauch ihrer Tochter nicht chronologisch, und schon gar nicht konventionell.

Immer wieder wird der nur in wenigen Spielszenen dargestellte Plot von allerlei surrealen, experimentellen, häufig auch selbstreferentiellen Spielereien unterbrochen: Da ergötzt sich ein splitternackter Lehrer, mit E-Gitarre vor dem hängendem Gemächt, in der Schuldusche an seiner eigenen eingebildeten Großartigkeit; Protagonisten sprechen wütende Monologe direkt in die Kamera; in Dialogszenen tauschen die Protagonisten von einem Schnitt auf den nächsten ihre Positionen; Darsteller werden inmitten des Drehteams ihren Text sprechend gezeigt; nackte Männer sitzen in übereinander gestapelten großen Pappkartons am Straßenrand. Hinzu kommen Mono- und Dialoge, die so schnell und spitz sind wie in alten Screwball-Comedys, allerdings um Lichtjahre gemeiner.

Neben dem Regisseur und seinen Cuttern, gebührt für dieses radikale und intelligenten, aber auch enorm anstrengende Spektakel auch den drei Hauptdarstellern großes Lob: Allen voran Miriam Japp als keifende am Ende zu Selbstjustiz greifende Mutter Trix Brunner, Paula Schramm als ihre pubertäre Tochter Saskia und Jörg-Heinrich Benthien, der herrlich schmierig und selbstverliebt den (nicht nur) grapschenden Sportlehrer gibt.
Guten Gewissens empfehlen kann man "Der böse Onkel" allerdings trotzdem nicht "normalen" Kinogängern die Wert auf weitestgehend herkömmlichen Erzählstil legen, sondern ausschließlich Arthouse-Fans mit Freude an formalen Experimenten.

Fazit: Radikal, intelligent - und ziemlich anstrengend. Nur für Arthouse-Fans.





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