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Willkommen in der Bretagne
Willkommen in der Bretagne
© Alamode Film

Kritik: Willkommen in der Bretagne (2012)


Im Herzen der Bretagne leben die drei Freundinnen Mathilde (Mathilde Seigner), Firmine (Firmine Richard) und Louise (Laurence Arné) in dem beschaulichen, malerischen Dorf Carhaix. Mathilde und Firmine arbeiten beide im örtlichen Krankenhaus des Ortes, Louise betreibt eine kleine Bowlinghalle. Oft sitzen die Freundinnen Abends nach einem stressigen Arbeitstag noch zusammen und spielen eine Runde Bowling. Eines Tages kommt die Personalmanagerin Catherine (Catherine Frot) aus Paris nach Carhaix, um die Rentabilität des Krankenhaues zu prüfen. Die Großstädterin, die bisher nur das hektische und schnelle Leben in der Metropole kannte, fühlt sich schon nach kurzer bei den drei Freundinnen wohl und fängt an, das Landleben und den ruhigen Alltag zu genießen. Mit der Idylle im Dorf und unter den Freundinnen ist es jedoch vorbei, als Catherine feststellt, dass die Geburtenstation der Klinik nur noch Verlust einfährt und bald darauf vor der Schließung steht. Dagegen protestiert wenig später die ganze Stadt - angeführt von Mathilde, Firmine und Louise. Und auch Catherine erkennt, dass es hier um weit wichtigere Werte geht als um reine Erträge und Zahlen. Gemeinsam geben sie alles, um die Geburtenstation vor der Schließung zu bewahren.

Die französische Filmemacherin Marie-Castille Mention-Schaar ließ sich für ihren Film von wahren Ereignissen inspirieren. Von März bis Juni 2008 hatten sich sämtliche Einwohner des Dorfes Carhaix verbündet, um sich gegen die Schließung ihrer Entbindungsstation zu wehren - mit Erfolg. Diese außergewöhnliche Geschichte nahm die Regisseurin zum Anlass für ihre mit spielfreudigen Darstellerinnen ausgestattetes Feel-Good-Movie, das sie an Originalschauplätzen drehte und gleich auch noch für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich zeichnete. "Willkommen in der Bretagne" ist ein kleiner, charmanter Film über die Freundschaft und den Mut von vier unterschiedlichen Frauen geworden, der sich am Ende aber nicht eindeutig entscheiden kann, was er am liebsten sein will: packender Sportfilm, locker-leichte Komödie oder vielschichtiges Drama. "Willkommen in der Bretagne" hat von allem etwas, was dem Film letztlich leider zum Verhängnis wird.

"Willkommen in der Bretagne" legt großen Wert auf seine Figuren und den Schauplatz bzw. Handlungsort, an dem sich diese besonderen Ereignisse tatsächlich vor einigen Jahren abgespielt haben. Der Film spielt in Carhaix, einem kleinen, gemütlichen Ort im Herzen der Bretagne. Weit abgelegen von den bekannten und vor allem bei Touristen beliebten Küstenregionen, liegt dieses idyllische Dorf, dessen Bewohner sich zumeist selbst überlassen sind - zu weit weg liegen die nächstgelegenen Großstädte und Metropolregionen. Das Leben in einem Dorf wie Carhaix ist urig, gemütlich, den Stress und die Hektik des Alltags in der Großstadt kennt man hier nicht. Diese Stimmung vermittelt "Willkommen in der Bretagne" dank der hübschen Landschaftsaufnahmen und der allgegenwärtigen Wohlfühl-Atmosphäre gekonnt und ohne große Probleme. Die Bewohner von Carhaix sind liebenswürdige und sympathische Zeitgenossen, für die Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt noch oberste Priorität besitzen.

Dies wird vor allem durch die drei Freundinnen Mathilde, Firmnie und Louise deutlich, die immer zusammenhalten und sich aufeinander verlassen können. Die Darstellerinnen verkörpern ihre Rollen dabei mit viel Spielfreude und unübersehbarem Engagement. Bis zur Hälfte der 90 Minuten Spielzeit ist "Willkommen in der Bretagne" eine auf Atmosphäre und Stimmung bauende Komödie über drei Freundinnen, die ihre Freizeit am liebsten in Louises Bowling-Halle verbringen und dabei von Regisseurin Mention-Schaar dabei beobachtet werden, wie sie ihren Alltag zwischen dem neuesten Tratsch, Entbindungen und dem nächsten Bowling-Turnier bewerkstelligen. Die Stimmung des Films ändert sich erst, als der Personalmanagerin Catherine die roten Zahlen der Geburtenstation auffallen und kurz darauf die Schließung dieser Station droht. Dann entwickelt sich "Willkommen in der Bretagne" von der luftigen Komödie zu Beginn in ein arg verworrenes Drama, das die Themen "drohender Jobverlust", "die Folgen wirtschaftlicher Einschnitte" und "französische Streik-Mentalität" anreißt und sich in diesem Gewirr aus Themen und Bezügen verliert. An dieser Stelle übernimmt sich Mention-Schaar. Als sich in die Wirren des Streiks und des Kampfes zum Erhalt der Station dann gegen Ende auch noch ein wichtiges Bowling-Spiel in die Handlung mischt und damit auch noch das Genre "Sportfilm" aufgefgriffen wird, ist die Verwirrung komplett. Schade, da der Film über eine ansprechende und heitere erste Hälfte verfügt, die blendend unterhält.

Fazit: Nach einer gelungenen ersten Filmhälfte, die als atmosphärische und mit guten Darstellern gespickte Wohlfühl-Komödie daherkommt, verliert sich der Film in der zweiten Hälfte in seinen vielen unnötigen Wendungen und Parallel-Handlungen.





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