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Genug gesagt - Hauptplakat
Genug gesagt - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Genug gesagt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Vor dem Tag, an dem die Kinder ausziehen, fürchten sich viele Eltern. Denn auch für sie beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt, aber einer, der leer und einsam werden könnte. Als alleinstehende Mutter hat die Hauptfigur in der nachdenklichen Komödie "Genug gesagt" vor diesem Datum besonders viel Angst. Die amerikanische Regisseurin und Drehbuchautorin Nicole Holofcener inspiziert am Beispiel dieser Eva die Befindlichkeiten, Wünsche und Selbstzweifel einer Generation, die ihre Chancen nach der Elternphase, aber noch lange vor der Rente auslotet.

Wie schon in Holofceners "Friends with Money" wird auch hier viel diskutiert in Situationen, die aus dem Leben gegriffen wirken. Der feine Humor ergibt sich aus den entlarvenden kleinen Lebenslügen, auf die die Charaktere im Gespräch stoßen. Die Handlung ist an sich unspektakulär und dennoch voll von interessanten Themen. Hier grübeln Zeitgenossen über Alltagsfragen, die einem bekannt vorkommen, die man aber erst hier so ausformuliert findet. Eva will bei der Partnerwahl nichts falsch machen, schließlich weiß sie, wie schlimm das spätere Scheitern der Zweisamkeit ist. Muss sie nicht hellhörig werden, wenn seine Ex-Frau Albert als träge und schlampig bezeichnet? Wird ihr die Tatsache, dass er nicht leise flüstern kann, nicht ebenfalls bald auf die Nerven gehen?

Die holprige Hauptbeziehung wird von einigen Nebenfiguren und -schauplätzen flankiert, die Evas Umfeld atmosphärisch beschreiben und für weitere Komik sorgen. Jeder hat irgendein Thema, mit dem er hadert, denn es gibt keine eindeutig richtige oder falsche Sichtweise. Julia Louis-Dreyfus spielt Eva sehr mimisch, sie betont es entschuldigend, wenn sie sich selbst peinlich ist. Der am 19. Juni 2013 verstorbene James Gandolfini ist als Albert in einer seiner letzten Rollen zu sehen. Entsprechend ist der Film dem beliebten "Sopranos"-Darsteller gewidmet.

Albert führt Eva gerne mit kleinen Witzen, die sie nicht erkennt, aufs Glatteis. Aber dann sagt er, dass er genug davon hat, spaßig zu sein: Solche Nüchternheit unterscheidet diesen Film von Comedy oder von anderen Stoffen, die es auf Effekte abgesehen haben. Die Geschichte hätte aber trotz ihres Bemühens um authentische Situationen ein wenig stringenter, kerniger ausfallen können. Während sie angenehm dahinplätschert, fragt man sich bei etlichen Szenen, worin ihre Relevanz liegt.

Fazit: Vorsicht ist bei der Partnerwahl immer geboten, aber erst recht, wenn einen die Ex-Frau des Traummanns auf seine Fehler hinweist: In Nicole Holofceners nachdenklicher Komödie liegen Witz und Tücke in gewöhnlichen Gesprächssituationen verborgen.





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