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Der Mohnblumenberg
Der Mohnblumenberg
© Universum Film

Kritik: Der Mohnblumenberg (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der japanische Zeichentrickfilm "Der Mohnblumenberg" hat mit dem berühmten Animefilmregisseur Hayao Miyazaki in dreifacher Hinsicht zu tun. Miyazaki ist Co-Autor, produziert wurde in seinem Ghibli-Studio und sein Sohn Goro führte Regie. Die zarte Geschichte einer ersten Liebe unter Schülern basiert auf einem japanischen Comic. Sie ist im Jahr vor den Olympischen Sommerspielen von Tokio 1964 angesiedelt. Damals läutete die beginnende Epoche von Wirtschaftswachstum und technischem Fortschritt das Ende der Nachkriegszeit ein.

Die Romanze von Umi und Shun ist eingebettet in eine Handlung, die den gesellschaftlichen Konflikt zwischen Bewahren und Erneuern aufgreift. Ist das gemütliche Clubhaus nicht mehr gut genug für das neue Zeitalter? Die Meinung der männlichen Schüler, die sich schon im Stil der späteren Studentenproteste auf Versammlungen heftige Debatten liefern, ist gespalten. Umi aber und die anderen Mädchen schwingen keine großen Reden, sondern packen an und ziehen die Jungs mit: Bald wird das Haus von oben bis unten renoviert, so dass das Lager der Bewahrer Zulauf erhält.

Indem sie herauszufinden versuchen, ob sie denselben Vater haben, setzen sich Umi und Shun auch mit der von Kriegen geprägten jüngeren Geschichte des Landes auseinander. Umi gedenkt noch immer ihres verstorbenen Vaters, indem sie täglich vor dem Haus über dem Meer für ihn Signalflaggen hisst. Der Film nimmt sich viel Zeit, um die fleißige Umi bei ihren Arbeiten im Haus und auf ihren Wegen durch die Stadt zu begleiten. Dabei entsteht nicht nur das Porträt eines vorbildlichen Charakters, sondern auch eine leicht nostalgisch angehauchte, von Zuversicht geprägte Atmosphäre.

Die adretten, gut erzogenen Schüler bewegen sich vor einer malerischen, idyllischen Kulisse mit alten Holzhäusern und Gärten. Der klassische Animationsstil überzeugt gerade mit diesen hübschen Aquarellhintergründen. Aber auch der Fortschritt mit seinem negativen Aspekt der Umweltverschmutzung wird abgebildet, in Form von Fabrikschloten, die heftig qualmen. Mit dem Spiel von Licht und Farben setzt der Film gelungene, die Fantasie anregende Effekte. Mit den visuellen Reizen aber kann der etwas unscheinbare Inhalt nicht ganz mithalten.

Fazit: Der japanische Animationsfilm von Goro Miyazaki bettet eine zarte Teenager-Romanze in eine erbauliche Geschichte über kulturelle und historische Wurzeln. Ihr sanfter Charme offenbart sich vor allem in der visuellen Gestaltung.




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