VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The Unknown Known: The Life and Times of Donald Rumsfeld
The Unknown Known: The Life and Times of Donald Rumsfeld
© NFP marketing & distribution

Kritik: The Unknown Known (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"There are known knowns. There are known unknowns. There are unknown unknowns. But there are also unknown knowns – that is to say, things that you think you know that it turns out you did not."

Dieses Zitat aus einem der zahlreichen Memos, die Donald Rumsfeld in seiner Zeit als Verteidigungsminister geschrieben hat, gibt dem Film nicht nur den Titel, sondern zugleich auch seine Struktur und roten Faden: In Errol Morris’ "The Unknown Known" geht um das Wissen und Nicht-Wissen über Kriege in Irak und Afghanistan, über Terrorismus und Folter - und über den Politiker Donald Rumsfeld.

Hierzulande steht Donald Rumsfeld vor allem für den Krieg gegen den Irak und den damit verbundenen Skandalen. Er war Verteidigungsminister, als die Twin Towers einstürzten, die USA zur weltweiten Jagd nach Osama bin Laden aufriefen, in Afghanistan und dem Irak Krieg begannen, die Fotos aus irakischen Gefängnissen und Berichte über Waterboarding in Guantanamo veröffentlicht wurden. Weit weniger bekannt ist hingegen, dass Donald Rumsfeld seine Karriere bereits 1962 begann. Mit 30 Jahren wurde er damals ins Repräsentantenhaus gewählt, sieben Jahre später rückte er unter Nixon in die Regierung auf. Rechtzeitig vor dem Watergate-Skandal befand Nixon jedoch, dass mit Rumsfeld nichts anzufangen sei und beorderte ihn zu den Vereinten Nationen. Unter Gerald Ford kehrte Donald Rumsfeld zunächst als Stabschef des Weißen Hauses zurück – sein Deputy, also Stellvertreter, war Dick Cheney – und wurde schließlich nach einem internen Coup im November 1975 Verteidigungsminister. In seiner Zeit setzte er sich sehr für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben ein und betonte öffentlich mehrfach, dass die USA der starken Wiederaufrüstung der UDSSR entgegentrete müsse. Hier wurde er im Rückblick von der Geschichte in seiner Einschätzung widerlegt – zum ersten Mal.

Nach der Abwahl Fords war Donald Rumsfeld in der Wirtschaft tätig, hatte Vorstandsposten und Beraterfunktionen inne, außerdem wurde er zwischenzeitlich von Ronald Reagan als Sondergesandter in den Mittleren Osten geschickt. In dieser Zeit traf er Saddam Hussein persönlich, die Zeit festigte aber auch seine Einschätzung, dass diese Region ein "Sumpf" sei, in dem man entweder gar nicht oder richtig involviert werden sollte. Im Jahr 2001 wurde er schließlich unter George W. Bush ein zweites Mal Verteidigungsminister – zur Überraschung vieler, da Rumsfeld und Bush senior nicht unbedingt Verbündete waren.

In Rumsfeld Zeit als Verteidigungsminister ist eine Flut an Memos entstanden, in denen er seine Überlegungen zu aktuellen Entwicklungen und Ereignissen darlegt, aber auch Grundsätzliches festhält. Im Film lässt Errol Morris den Politiker nun aus diesen Memos vorlesen und fordert ihn zu Erläuterungen seiner Gedanken auf. Dadurch widerlegt Rumsfeld bisweilen seine eigenen Aussagen, auch entstehen verblüffende Momente, in denen man der Wahrheit näherzukommen scheint. Aus der Ruhe lässt sich Rumsfeld aber nicht bringen, vielmehr reagiert er mit Humor und beeindruckender Eloquenz. In jedem Bild ist zu erkennen, dass Donald Rumsfeld ein Profi in der Politik und Rhetorik ist, ein gewiefter Gesprächspartner und Stratege. Sein Lieblingswort scheint "inevitable" zu sein – unvermeidbar. Für ihn sind bestimmte Ereignisse und Folgen unvermeidbar, indem Errol Morris ihn aber mit seinen eigenen Aufzeichnungen in den Dialog gehen lässt oder einfach mit der Kamera auf seinem Gesicht verharrt, sorgt er für kleine Widersprüche. Leider geht Errol Morris ihnen nicht weiter nach, sondern durch die Musik von Danny Elfman und insbesondere die Bilder von Robert Chappel, in denen Wörter besonders hervorgehoben werden oder fließendes Wasser gezeigt wird, wird der Schwebezustand zwischen Wahrheit und Rumsfelds Version noch verstärkt. Dadurch liefert "The Unknown Known" nicht nur kein eindeutiges Bild des Politikers Donald Rumsfeld, sondern kommt auch der Wahrheit über die damaligen Ereignisse nicht näher. Stattdessen erlaubt der Film aber höchstspannende Einblicke das politische Leben Donald Rumsfelds – und der USA.

Fazit: "The Unknown Known" ist eine spannende Auseinandersetzung mit Donald Rumsfeld und die mühsame, letztlich nicht zu beendende Suche nach der Wahrheit.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.