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00 Schneider - Im Zeichen der Eidechse
00 Schneider - Im Zeichen der Eidechse
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Kritik: 00 Schneider: Im Wendekreis der Eidechse (2013)


Was einen in der Komödie "00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse" erwartet, verrät schon der Titel: Ein kunterbuntes Sammelsurium von Anspielungen auf das Crime- und Agentengenre, die hinten und vorne nicht zusammenpassen. Dahinter steckt aber künstlerische Absicht, denn der Comedian Helge Schneider baut aus schrägen und skurrilen Nummern ein ganz eigenes Universum. Schneider ist als Hauptdarsteller, Regisseur, Co-Autor und Komponist an Bord und beschert dem aus mehreren Büchern und Filmen wie "00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter" bekannten Kommissar ein originelles Klamauk-Comeback.

Der Kommissar fährt einen Oldtimer-Citroen und arbeitet in einem Polizeipräsidium, in dem amerikanische Agenten und ein italienischer Chef herumsitzen. Mal wähnt man sich in Frankreich, dann aber doch wieder in Mülheim an der Ruhr, Helge Schneiders Heimatstadt. Wenn es der Handlung dient, tauchen in der Nähe auch die Klippen einer Meeresküste auf. Von allem ein wenig ist nicht nur das Motto der Geschichte, sondern auch ihrer Ausstattung: Der Kommissar ist umgeben von museumsreifen Geräten wie einem Telefon mit Wählscheibe oder einer mechanischen Schreibmaschine. Es wird gequalmt wie anno dazumal und die Häftlinge tragen gestreifte Sträflingsanzüge. Man soll offenbar stets an irgendwelche alten Krimis erinnert werden und kann dabei genüsslich überprüfen, ob die Heldenposen, mit denen man medial aufgewachsen ist, inzwischen nicht doch ziemlich lächerlich wirken.

Wenn der Kommissar seine blonde Mähne bewusst in Szene setzt, erkennt man, dass er sich selbst als Filmstar begreift. Mehr noch als die verbrecherische Nullnummer, die Roy Schneider lösen muss, prägen den Inhalt die zahllosen kleinen Nebenhandlungen, die seine Tage füllen. Er muss zum Zahnarzt, einen Staubsaugervertreter vertreiben, eine Waschmaschine transportieren. Dabei passieren unvorstellbare Dinge. Der so aus lauter Sketchen zusammengeklebten Geschichte fehlt natürlich eine stringente Handlung. Der Improvisationsstil, auf den Schneider mit seinem von vielen Amateurdarstellern bevölkerten Cast setzt, feiert vielmehr das Ablenkungspotenzial des einzelnen Moments. Auch wenn der Kommissar plötzlich selbstvergessen tanzt wie Fred Astaire, wirkt das witzig und gar nicht unpassend. Man sieht dieser Komödie, die eine so starke eigene Handschrift hat, gerne zu, denn im Gegensatz zu vielen anderen Klamaukfilmen entfaltet sich hier eine Atmosphäre cinephiler Nostalgie. Selbst auf die doofste kleine Satire kann in diesem Licht ein wenig philosophischer Glanz fallen.

Fazit: Helge Schneiders Crime-Komödie bastelt aus lauter kleinen Nonsense-Satiren ein schräges Universum mit einer starken eigenen Handschrift und einer unwiderstehlichen Atmosphäre.





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