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Kritik: Crisis (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Nicholas Jarecki wurde vor knapp zehn Jahren mit seinem Drama "Arbitrage" bekannt. Seitdem hat er keinen Film mehr inszeniert. Für sein Leinwand-Comeback "Crisis", das im Frühjahr 2019 unter anderem in Detroit entstand, konnte er auf eine Riege prominenter Darsteller zurückgreifen – auch in den Nebenrollen. Diese wurden mit namhaften Schauspielern wie Luke Evans, Greg Kinnear, Michelle Rodriguez und Veronica Ferres besetzt.

Jarecki macht in seinem Mix aus Drama, Action und Thriller auf ein Problem aufmerksam, das die USA spätestens im Jahr 2017 in eine landesweite Gesundheitskrise gestürzt hat: die immer weiter anwachsende Zahl an Opioid-Opfern und -Süchtigen. Seit 2017 sind weit über 50 000 Menschen an ihrer Schmerzmittel-Sucht gestorben und ein Ende ist nicht in Sicht.

Allein der Umstand, dass "Crisis" auf das Thema im Rahmen eines massentauglichen Hollywood-Films, an dem sich viele bekannte Darsteller beteiligt haben und der viele Zuschauer (spätestens im Stream) erreichen wird, aufmerksam zu machen, rechtfertigt bereits diese Produktion. Und Jarecki macht keinen Hehl daraus, dass die USA aktuell von der "schlimmsten Gesundheitskrise seit der Tabakherstellung" heimgesucht werden, wie es Gary Oldmans Figur an einer Stelle klar formuliert. Die Schuldigen macht der Film unter anderem in der profitgierigen, gewinnorientieren Pharmaindustrie aus. Dass Jarecki dies so deutlich beim Namen nennt ist aller Ehren wert.

Doch leider ist das nicht ausreichend. "Crisis" schafft es nicht, den Ursprung und die Gründe für diese Krise klarer herauszuarbeiten. So erwähnt der Film nicht oder nur unzureichend, dass US-amerikanische Ärzte viel zu schnell und voreilig zu hohe Mengen an Opioiden verschreiben – ohne die Patienten allumfassend über die Gefahren aufzuklären. Überhaupt stellt das fehlende Wissen der Bevölkerung eines der Hauptprobleme dar.

Dafür erweisen sich die drei Handlungsstränge als weitestgehend spannend und kohärent, allen voran jener um Claire Reimann, die mit ihrer eigenen Sucht ringt und um ihren Sohn kämpfen muss. Die Hauptdarsteller agieren allesamt glaubhaft und hingebungsvoll. Ihre zwischen Angst, Panik und Ratlosigkeit changierenden Gefühlszustände lassen auch den Zuschauer nicht kalt. Schade ist, dass der Film einige seiner prominenten Nebendarsteller in blassen, austauschbaren Rollen verheizt, darunter Luke Evans als aalglatter, klischeehafter Pharmaunternehmer oder Michelle Rodriguez als wenig tiefgründiger Supervisor Garrett.

Fazit: Erzählerisch stringentes, dramaturgisch schlüssiges Episodendrama mit gut aufgelegten Hauptdarstellern über die Opioid-Krise in den USA, das in Sachen Aufklärung, Ursachenforschung und Informationsvermittlung zu sehr an der Oberfläche bleibt.




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