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Nemesis - Poster
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© limagofilm

Kritik: Nemesis (2010)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Nemesis" wurde bereits im Jahr 2006 gedreht. Das kleine Low Budget Kammerspiel war der letzte Film, für den Ulrich Mühe vor der Kamera stand, er starb im Jahr 2007. Der Film aber brauchte einige Jahre um seinen Weg in die Kinos zu finden - erst zog sich die Nachbearbeitung hin, dann, nach dem Tod Mühes, wollte Lothar den Film nicht auf der Leinwand sehen (angesichts des Plotverlaufs, der hier nicht wiedergegeben werden soll, eine nachvollziehbare Entscheidung). Die Regisseurin und ihre Hauptdarstellerin einigten sich schließlich, doch auch Lothar starb, im Juli 2012, bevor der Film seinen offiziellen Start erlebte.
So kommt es jetzt zu der etwas makaberen Situation, dass ein Kammerspiel mit zwei Hauptdarstellern in die Kinos kommt, die beide tot sind. Und mit diesem Film, in dem Ulrich Mühe und Susanne Lothar ein Paar spielen, dass sich gegenseitig misstraut - zurecht, wie sich bald herausstellt - wird einem noch einmal vor Augen geführt, welch großartige Schauspieler sie beide waren, welch außergewöhnliche Talente die deutsche Schauspielerszene mit ihnen verloren hat. Für Regisseurin Nicole Mosleh (und vermutlich für jeden Regisseur, mit denen Lothar und Mühe zusammengearbeitet haben) waren ihre beiden Hauptdarsteller ein Glücksgriff - so ungekünstelt und rundheraus glaubwürdig spielen sie das in einer Extremsituation feststeckende, in Liebe und Hass zugleich aneinander gekettete Paar.

Die Erzählung dieses Dramas, dass sich bald in einen Krimi verwandelt, ist verschachtelt, vieles erfährt man durch optisch mit verblassten Farben gekennzeichnete Rückblenden und manches (natürlich) erst in der letzten Szene - auch wenn sich schon einige Minuten vor Schluss das Ende bereits andeutet (tatsächlich gibt es von Anfang an kaum mehr als zwei mögliche Enden). Es gibt einige nette Regie-Einfälle und auch das Drehbuch ist weitgehend gelungen und spielt hin und wieder mit der Tatsache, dass eigentlich ganz normale Sätze, im passendem Kontext, eine fiese Doppeldeutigkeit bekommen können, wodurch man die Zuschauer wunderbar verunsichern kann.
Erzählt wird in genau dem richtigen Tempo, ruhig, aber dennoch ohne spürbare Längen. Das eigentliche Erlebnis aber bleiben Susanne Lothar und Ulrich Mühe. Allein für dieses letzte Wiedersehen lohnt der Kinobesuch.

Fazit: Als ruhiges Kammerspiel ohne Längen inszeniertes Beziehungsdrama mit Krimi-Elementen, dass vor allem wegen der inzwischen verstorbenen grandiosen Hauptdarsteller Ulrich Mühe und Susanne Lothar lohnt.




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