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No Place on Earth - Trost und Gefahr zugleich: die...heit.
No Place on Earth - Trost und Gefahr zugleich: die Finsternis und Unwägbarkeiten der Unterwelt hat Höhlenforscher Christopher Nicola heute mit der entsprechenden Ausrüstung im Griff. Familie Stermer lebte 1942 insgesamt 511 Tage in der unterirdischen Höhle – der längste Aufenthalt unter der Erde in der Geschichte der Menschheit.
© Central Film © Senator Film

Kritik: Kein Platz zum Leben (2012)


Auch fast 70 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, die Tod und Verderben über Europa brachte, sind noch nicht alle Kapitel der Juden-Verfolgung erzählt. Immer wieder treten erstaunliche Geschichten zu Tage, die davon berichten, wie es von den Nazis verfolgte Juden schaffen konnten, die NS-Zeit zu überleben - wie im Fall der jüdischen Familie Stermer, der es tatsächlich gelang, sich 511 Tage in einem unterirdischen Höhlensystem zusammen mit anderen Familien in völliger Dunkelheit zu verstecken und den Krieg zu überleben. In "No place on earth" erzählt die Amerikanerin Janet Tobias diese außergewöhnliche und zutiefst bewegende Geschichte. Der gelungene Mix aus Zeitzeugen-Interviews und Spielszenen ist fesselnd und führt auf nachdrückliche Weise vor Augen, was Menschen in der Lage sind zu leisten und zu ertragen, wenn es um das eigene Überleben geht.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs will der amerikanische Höhlenforscher Chris Nicola 1993 auf der Suche nach seiner eigenen Familiengeschichte einige noch weitgehend unentdeckte Höhlen in der Westukraine erforschen. In einer dieser Höhlen stößt Nicola auf einen unfassbaren Fund: ein Damenschuh, ein Kamm und alte Knöpfe zeugen von menschlichem Leben in dem unterirdischen Höhlensystem. Und tatsächlich: Nicola stößt auf die unglaubliche Geschichte der Familie Stermer, die sich 1942 dort zusammen mit anderen ukrainisch-jüdischen Familien vor den Deutschen versteckt hatte. Eineinhalb Jahre lang harrten sie in fast völliger Finsternis aus, durch Hunger, Trinkwassermangel und Kälte stets an der Schwelle zum Tod. Ganz zu schweigen von der permanenten Gefahr, von mit den Nazis kollaborierenden Landsleuten verraten oder der SS entdeckt zu werden. 67 Jahre nach dem Krieg und der Rückkehr an die Erdoberfläche kehrt Regisseurin Tobias mit einigen überlebenden Mitgliedern der Familie Stermer an den Ort des Schreckens zurück.

Eine große Faszination geht freilich von den ergreifenden Schilderungen der Überlebenden der Familie Stermer aus, die Filmemacherin Tobias in ihrem Film ausgiebig zu Wort kommen lässt. Eindringlich schildern sie den Alltag in dieser dunklen Parallelwelt und wie sie unter primitivsten Verhältnissen 511 Tage lang in der Höhle mitten im Ödland der Ukraine ums Überleben kämpften. Andererseits lässt Tobias entscheidende Ereignisse und Geschehnisse, die sich unter der Erde zutrugen, von Schauspielern nachstellen. Die nachgestellten Szenen sind dabei derart perfekt geraten, dass sie auch einer hochwertigen Dokumentation des History Channels oder sogar einem Hollywood-Blockbuster zum Thema entstammen könnten. Ein besonders intensiver Moment ist jener, der die Überlebenden gemeinsam mit ihren mittlerweile erwachsenen amerikanischen Enkelkindern beim Hinabsteigen in jene Höhle zeigt, die ihnen so lange Schutz bot. Janet Tobias versteht ihr Handwerk und aus der gelungenen Komposition aus O-Tönen und Spielszenen wird deutlich, dass sie vor ihrem Kinodebüt vor allem als Produzentin für verschiedene Fernsehformate tätig war. Bei "No place on earth" lässt sich keine Schwäche ausmachen, die Dokumentation ist mitreißend, dramatisch und außergewöhnlich.

Fazit: "No place on earth" begeistert mit einem fesselnden Mix aus Überlebenden-O-Tönen und perfekt nachgestellten Spielszenen. Die Dramaturgie ist punktgenau, selbst ein Hollywood-Blockbuster zum Thema könnte nicht spannender sein.




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