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Kritik: Puppe (2012)


Vor der rauen und zugleich eindrucksvollen Kulisse der Alpen inszeniert Regisseur Sebastian Kutzli das Drama um das Straßenkind Anna. Schwer traumatisiert soll ihr der Aufenthalt auf dem Bauernhof der Sozialarbeiterin Geena die nötige Umgebung bieten, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Wie schrecklich diese Erlebnisse waren, zeigt der Film in kargen Rückblenden, die das Geschehene fragmentarisch darstellen. Aber auch auf dem Hof ist nicht eitel Sonnenschein. Geena und besonders die junge Lehrerin Julie sind oft mit den drei Mädchen, die sie betreuen, überfordert. Die kleine Emma wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht, die aggressive Maggie kommt aus einem kriminellen Milieu und steht kurz davor in den Knast zu wandern. Anna ist völlig verschlossen und spielt von Anfang an mit unrealistischen Fluchtgedanken.

Kutzli versteht es Bilder sprechen zu lassen. Die raue Natur wird mit der Wildheit der Großstadt kontrastiert. Die kargen Dialoge ergänzen diese Aufnahmen gekonnt. Man ist zugleich schockiert und gerührt von den Schicksalen der Mädchen. Kategorien wie Opfer und Täter verschwimmen zunehmend, gerade an der Figur Maggies. In der einen Szene ist sie aggressiv und beschimpft die anderen, in der nächsten dann sieht man sie alleine in ihrem Bett weinen.
Das alles ist ein gutes Fundament für eine Sozialstudie und der Film hätte das Zeug dafür gehabt, gerade wegen der gut und glaubwürdig gespielten Charaktere. Leider wird der Streifen im letzten Drittel zum Thriller in Tatortmanier. Das ist überflüssig, konterkariert den Anspruch auf ein nachvollziehbares Drama. Am Ende sitzt man als Zuschauer da und fragt sich, ob das hätte sein müssen.

Fazit: Ein filmisch gut gemachtes Werk, das Einblicke gibt in die Gefühlswelt von Mädchen, die nie eine Chance hatten. Leider mit einem unnötigen Ende.




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