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Mandela: Der lange Weg zur Freiheit
Mandela: Der lange Weg zur Freiheit
© Senator Film

Kritik: Mandela: Der lange Weg zur Freiheit (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nelson Mandelas Leben in zweieinhalb Stunden zu erzählen, ist ein kaum zu verwirklichendes Vorhaben. Deshalb hat auch der Film von Regisseur Justin Chadwick Lücken, wichtige Ereignisse werden schnell zusammengefasst und regelrecht abgehakt. Insbesondere in der Zeit, in der Mandela im Gefängnis ist, werden die vergehenden Jahre durch die zunehmenden weißen Haare deutlich oder mal wird ein Zeitungsartikel in seine Zelle gereicht. Über den Wandel der Welt außerhalb erfährt Mandela kaum etwas – auch der Film verlässt das Gefängnis nur kurz, beispielsweise um die Inhaftierung und Folterung Winnie Mandelas zu zeigen. Erst als er seine Tochter nach 13 Jahren wieder sieht – sie durfte ihn erst besuchen, als sie 16 Jahre alt war – wird deutlich, wie viel in der Zwischenzeit passiert ist. Dadurch bleiben manche Fragen offen: Warum wurde Mandelas Gesuch nach langen Hosen nachgegeben? Warum wurde er zur Symbolfigur und seine Freilassung zur Bedingung für den Wandel im südafrikanischen Staat? Hier lassen sich Andeutungen – beispielsweise seine vorherige Bedeutung oder das Engagement der ganzen Familie – finden, schließen kann der Film diese Lücken nicht.

Dennoch gelingt es Justin Chadwick, seiner faszinierenden Hauptfigur und ihrem Leben näherzukommen, indem er sich voll auf sie konzentriert – und er mit Idris Elba einen fantastischen Hauptdarsteller gefunden hat. Obwohl seine physische Ähnlichkeit mit Nelson Mandela gering ist, schlüpft er mit Hilfe des Make-ups mühelos in die Rolle, vor allem aber bringt er das Charisma eines Anführers auf die Leinwand. Mandelas wachsender Zorn, aber auch seine Erkenntnis, dass Hass nur mehr Leid bringt, seine Hinwendung zur friedlichen Lösung, verkörpert Elba überzeugend und sprengt dadurch das konventionelle Gerüst des Biopics. Er zeigt die Stärke, aber auch die Angst und Zweifel dieses berühmten Mannes, und sogar Mandelas unverkennbarer Akzent wird von ihm sehr natürlich getroffen. Unterstützt wird er von einer großartigen Naomie Harris, die als Winnie Mandela in wenigen Szenen sehr viele Facetten ihres Lebens zeigt. Sie wurde ebenfalls inhaftiert und gefoltert, ihr Hass und ihre Ablehnung einer friedlichen Lösung wird dadurch sehr verständlich – und auch die Entbehrungen sind ihr anzumerken. Sie sind indes die einzigen lebendigen Figuren, während alle andere am Rand bleiben – hier schlägt der Film eine wohl unbeabsichtigte Parallele zu weltweiten Wahrnehmung, als er Mandelas Mitgefangen fast ebenso vergisst wie die Geschichte sie vergessen hat.

Mit einem detailgetreuen Produktionsdesign und dank seiner hervorragenden Hauptdarsteller gelingt es Regisseur Justin Chadwick daher, dem Zuschauer zumindest erste Eindrücke vom Leben Nelson Mandelas zu vermitteln. Dadurch wird "Mandela – Der lange Weg zur Freiheit" zu einem konventionellen, aber berührenden Biopic, das vor Augen führt, wie sehr Menschen noch Ende des 20. Jahrhunderts um das Recht zu wählen und um Gleichberechtigung kämpfen mussten. Und in vielen Ländern der Welt müssen sie es noch heute. Deshalb kann dieser Film – und diese Kritik – nur mit einem der berühmtesten Zitate von Mandela enden: "No one is born hating another person because of the color of his skin, or his background, or his religion. People must learn to hate, and if they can learn to hate, they can be taught to love, for love comes more naturally to the human heart than its opposite."

Fazit: Aufgrund des großartigen Hauptdarstellers ist das konventionelle Biopic über Nelson Mandela unterhaltsam und berührend.





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