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Und morgen Mittag bin ich Tot
Und morgen Mittag bin ich Tot
© Universum Film

Kritik: Und morgen Mittag bin ich tot (2012)


Das ruhige, verhaltene Drama wird vor allem bestimmt von der positiven Lea. Sie hat ständig einen Scherz auf den Lippen, auch wenn sie sich nach ein paar Schritten schon um Luft ringend krümmt, wie ein Sportler, der sich beim Laufen verausgabt hat. Ihre letzten Wünsche sind beinahe prosaisch: einmal noch Schnitzel essen, die abendlichen Straßenszenen in der Stadt beobachten. Der Familie bleibt nicht viel anderes übrig, als ihr entweder zu folgen, oder sie allein zu lassen. Die Trauer, das Klagen werden von der dynamischen Lea ziemlich kurzgehalten. Stattdessen bekehrt Lea noch schnell den jungen, psychisch belasteten Pensionsgast Moritz (Max Hegewald) zum Leben. Diese Episode ist dann doch ein wenig zu simpel und didaktisch geraten, wie auch die Darstellung des Sterbehilfe-Vereins mit seiner Vertreterin Michaela Orff (Bibiana Beglau) jedem Werbeprospekt Ehre machen könnte. Die Sterbehelferin fragt hundertmal nach, ob Lea es sich nicht doch anders überlegt, damit nur ja das Vorurteil widerlegt wird, hier würden womöglich fatale Entscheidungen voreilig umgesetzt.

Diese Schwächen des Films sind aber nur marginal, denn im Zentrum steht Leas Emanzipation, die gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an ihre Familie ist. Viele Worte werden dabei nicht gemacht, im häufigen Halbdunkel der Szenen wird man auf die leisen Töne, das Vernehmen der inneren Schwingungen geeicht. Diese Inszenierung hat etwas sehr Tröstliches, und wenn Lea und ihre Mutter die letzten Blicke austauschen, bleibt kein Auge trocken. Insofern ist dieses unaufgeregte Drama nicht in erster Linie ein Film über Sterbehilfe, sondern viel allgemeiner, über das Sterben im Kreis der Angehörigen.

Fazit: Frederik Steiners Regiedebüt mit der beeindruckenden Liv Lisa Fries als todkranke junge Mukoviszidose-Patientin, die Sterbehilfe in Anspruch nimmt, spendet in seiner stillen, unaufdringlichen Inszenierung ungeheuren Trost.




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