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Todos estan muertos
Todos estan muertos
© Avalon

Kritik: Todos estan muertos (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In diesem tragikomischen Drama, mit dem die spanische Regisseurin und Drehbuchautorin Beatriz Sanchís ihr Spielfilmdebüt gibt, ist die Grenze zwischen Dies- und Jenseits ziemlich durchlässig. Am Tag der Toten, den die Großmutter in Madrid nach mexikanischer Tradition feiert, muss der Geist ihres verstorbenen Sohnes zurückkehren und ihr helfen, in der Familie einige Dinge in Ordnung zu bringen. Diego wurde vor 15 Jahren jäh aus dem Leben gerissen und seither vegetiert seine Schwester mehr tot als lebendig vor sich hin. Dabei braucht sie ihr Teenager-Sohn dringender denn je. Diegos Geist dient dieser Familie in der Krise als Coach, damit sie die Fesseln der Vergangenheit endlich abstreifen kann. Das alles vollzieht sich in einer unbeschwerten, verträumten und humorvollen Atmosphäre, die für gute Laune sorgt.

Die Handlung wartet nach und nach mit erstaunlichen Überraschungen auf: In dieser Familie schwelen unter der Oberfläche dunkle, schwergewichtige Geheimnisse. Die Oma, Lupe, Diego haben alle etwas mitzuteilen, und werden ihrerseits durch Enthüllungen verblüfft. Und dann gibt es da noch den Ich-Erzähler Pancho, der mit seiner Pubertät kämpft. Die Musik, die Lupe und Diego einst spielten, könnte eine Brücke zwischen Mutter und Sohn bauen. Denn in wenigen Tagen will der schüchterne Pancho mit seinen Pfadfindern ein Lied auf der Bühne spielen. Die Dramaturgie mischt ernste und lustige Passagen sehr geschickt und verteilt mit ihren Wendungen die Spannung wohldosiert über die gesamte Lauflänge der Handlung.

Die sympathischen Figuren bilden in ihrer Verschiedenheit ein reizvolles Ensemble. Ihre Auseinandersetzungen werden von einem verspielten Inszenierungsstil begleitet, der die Geistererscheinung auf heitere Weise normal wirken lässt. Manchmal erklingen Englischlektionen, die die Einsamkeit der Charaktere im Haus auf verquere Art mehr betonen, als sie aufzulockern. Oder die glorreiche, bunte Zeit von Lupes und Diegos Band wird in Flashbacks wieder lebendig. Überhaupt spielt Musik eine wichtige Rolle. Abschiednehmen, das zeigt dieser Film auf skurrile, leichtfüßige Weise, muss nicht nur todtraurig sein. Die Verstorbenen würden sich wohl auch im Grabe umdrehen, gäbe es am "Dia de los Muertos" weder Musik noch gute Laune.

Fazit: Das tragikomische Familiendrama der spanischen Regisseurin Beatriz Sanchís ermöglicht dem Geist eines Verstorbenen eine temporäre Rückkehr zu seinen Angehörigen. Dabei wird mit verspielter Leichtigkeit an ungeklärten Gefühlen und Abhängigkeiten gerüttelt, die die zentrale Mutter-Sohn-Beziehung überschatten. Die gelungene Dramaturgie und die humorvolle Atmosphäre sorgen für originelle Unterhaltung.





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