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Balkan Melodie - Plakat
Balkan Melodie - Plakat
© Ventura Film

Kritik: Balkan Melodie (2012)


Im Zentrum des neuesten Films von Musikdokumentarfilmer Stefan Schwietert stehen der Schweizer Musikenthusiast und Produzent Marcel Cellier und dessen Ehefrau Catherine, die seit den 1950er-Jahren immer wieder die Länder des Osten Europas bereisten, um der dortigen traditionellen Musik nachzuspüren und diese zu dokumentieren. Schwietert nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise zu diesem Ehepaar, auf dessen reichhaltiges Archiv voller seltener Tondokumente, Schallplatten, rarer Schwarz-Weiss-Fotos und privater Super-8-Aufnahmen er dabei zurückgreifen konnte. Herausgekommen ist ein vielschichtiges, hochspannendes Porträt voller Detail- und Materialfülle über ein außergewöhnliches Ehepaar, das der Volksmusik des Balkan und den einheimischen Musikkulturen mehrfach zu Weltruhm verhalf. "Balkan Melodie" ist darüber hinaus aber auch ein Porträt der Volksmusik Osteuropas im Allgemeinen sowie von einigen ausgewählten Musikern, die von den Celliers entdeckt wurden. Dadurch entsteht ein ausführliches, detailreiches Bild einer musikalischen Welt, die filmisch bisher zu wenig Beachtung fand.

Das Reizvolle an Schwieterts Dokumentation ist in erster Linie, dass der Film einen ausführlichen Einblick in die so vielfältige und bunte musikalische Welt der Balkan-Musik gewährt, darüber hinaus aber auch an zwei Beispielen aufzeigt, was in der Zwischenzeit aus den Künstlern von damals wurde und wie sie heute leben. Die vielseitige Darstellung und das spannende Porträt dieser traditionellen Musik aus den osteuropäischen Ländern gelingt Regisseur Schwietert dabei durch einen gelungenen Mix aus verschiedenen Elementen, die alle Sinne ansprechen und zu einem stimmigen große Ganzen zusammengefasst wurden.

Zu sehen gibt es unzähliges Archivmaterial wie z.B. die großartigen Super-8-Privataufnahmen der Celliers, die auf ihren Fahrten in den Osten entstanden sind, oder auch die vielen Schwarz-Weiß-Fotos der musikalischen Entdeckungsreisen. All dies wird immer wieder mit den entsprechenden Tönen und Klängen unterlegt und vermittelt so einen Eindruck von der Vielseitigkeit und dem Facettentreichtum dieser Musik.

Zu hören gibt es u.a. auch den Pan-Flötisten Gheorghe Zamfir sowie den Frauenchor "Le Mystère des Voix Bulgares", auf die der Film dann auch näher eingeht. So machte sich Schwietert beispielsweise auf die Reise ins rumänische Bukarest, um zu sehen, wie Zamfir heute lebt und ob von dem einstmaligen Ruhm noch etwas geblieben ist. Zamfir wie auch der Frauenchor wurden von Cellier damals entdeckt und gefördert und starteten bald darauf eine beachtliche Welt-Karriere. Die Künstler kommen dabei selbst ausführlich zu Wort und schildern ihren Blick auf die Geschehnisse der damaligen Zeit. So erfährt der Zuschauer z.B. dass sich Zamfir später mit Cellier wegen finanzieller Aspekte heftig zerstritt und wie die Sängerinnen des Frauenchors Mitte der 1980er-Jahre durch ein britisches Indie-Label „4AD“ zum westlichen Pop-Kult wurden und Cellier die Rechte an seinen Aufnahmen verkaufte. Die Gespräche mit den Künstlern wie auch die Interviews mit den Celliers selbst, fügen sich dabei hervorragend in die Collage aus Film-Aufnahmen, Fotos und Musik ein.

Fazit: Facettenreich stellt "Balkan Melodie" die Welt der traditionellen, volkstümlichen Musik Osteuropas dar und porträtiert vielschichtig und anhand einer ausgewogenen Mischung aus privaten Super-8-Aufnahmen, Interviews, Fotos und Musik einige der wichtigsten Künstler.




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