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Appassionata
Appassionata
© One Filmverleih

Kritik: appassionata (2012)


Der Dokumentarfilm „Appassionata“ stellt eine Pianistin vor, die einen steinigen Weg zum Erfolg gemeistert hat. Alena Cherny wuchs im ukrainischen Teil der Sowjetunion auf und erlebte den Drill in einem Musikinternat. Später nahm die Künstlerin und Mutter weitere Hürden, wie Emigration und Krebserkrankung. Der Schweizer Regisseur Christian Labhart begleitet die Pianistin auf einer Reise in ihre Heimat, um ihre Prägungen näher zu erforschen. Durch behutsame Annäherung, genaue Beobachtung und eine intelligente Montage gelingt ihm ein interessantes Künstlerporträt, das sich stetig vertieft.

Anders als der Filmtitel vermuten lässt, geht es inhaltlich nicht um die gleichnamige Klaviersonate von Beethoven. Vielmehr wurde er offensichtlich als Verweis auf die Leidenschaft der Pianistin gewählt. Die Musikerin geht bei ihren Konzerten, wie Ausschnitte von ihrem Benefizauftritt zeigen, sehr emotional mit – oder, wie ihre Mutter einmal sagt, „sie brennt“. Labhart wählt die Szenen für seine Dokumentation nach ihrer emotionalen Aussagekraft aus. Chronologische Vollständigkeit spielt dabei keine Rolle, selbst die Leukämie-Erkrankung wird mit wenigen Worten abgehandelt.

Alena Cherny kann sehr lebhaft und fröhlich werden, wenn sie mit ihrem russischen Akzent vor der Kamera oder in Voice-Over erzählt. Den Charme ihrer Kommentare machen die Spontaneität und punktuelle Tiefe aus, zum Beispiel wenn sie über die Wirkung der Orgelmusik spricht. Als sie erzählt, wie sie als Kind beim Betrachten des Films „Solaris“ von Andrej Tarkowski die Musik von Bach für sich entdeckte, zeigt Labhart einen Ausschnitt aus dem Werk. Klassische Musik begleitet auch die Reise in die Ukraine. In der Internatsschule, auf der Cherny zehn Jahre verbrachte, kommen belastende Erinnerungen hoch, die die Pianistin sogar zum Weinen bringen. Fotos aus der Kindheit werden nur sehr sparsam und gezielt eingestreut, wirken dadurch aber umso informativer.

Wie eng Glanz und Schatten im Leben dieser Künstlerin beieinander liegen, demonstriert Labhart, indem er sie sowohl zur feierlichen Übergabe des Flügels in der Musikschule von Romny begleitet, als auch in die Geisterstadt Pripyat. Dort spricht Cherny darüber, wie das Reaktorunglück ihre Naivität in Bezug auf den kommunistischen Staat beendete. So wie die klassische Musik, kann auch sie seelisches Leid klar benennen, ohne glätten zu müssen. Besonders die harte Ausbildung sieht sie sehr zwiespältig. Das spannende Porträt macht jedoch Lust auf die Musik, die darin eine so wichtige Rolle spielt.

Fazit: Der Schweizer Dokumentarfilm „Appassionata“ liefert ein sensibles Porträt der Konzertpianistin Alena Cherny, in dem so verschiedene Themen wie Emigration und Heimatverbundenheit, Liebe zur Musik und Ausbildungsdrill behandelt werden.





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