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Inuk - Poster
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© Neue Visionen

Kritik: Inuk (2010)


Eine alte Glückskeks-Weisheit besagt: „Die schwierigste Reise ist die Reise zu dir selbst“. Mike Magidson, ein in Kalifornien geborener und in Frankreich lebender Dokumentarfilmer, macht diese Botschaft zur handlungstragenden und übergeordneten Instanz seines Regiedebüts „Inuk“, das sich eigentlich um die Suche nach der eigenen Identität und interkultureller Konfrontation befassen will – dabei wurde es aber merklich von Übersee beeinflusst. Sein im eisigen Grönland angesiedeltes Abenteuer-Drama ist dramaturgisch oftmals so glattgebügelt und oberflächlich, dass dem Zuschauer nichts anderes übrig bleibt, als über „Hollywood on Ice“ zu schmunzeln. Angereichert mit Schmalz und Einfältigkeit in der Charakterzeichnung entwickelt sich „Inuk“ zu einem zähen Trip durch die Schneelandschaften.

Mike Magidson geht es um Tradition. Darum, dass die Jugend bei all dem Drang zur Modernität die richtigen Lösungen für ihre Probleme in der eigenen Kultur finden kann. Diese Idee wird gar symbolisch bis auf die Schmerzgrenze ausgereizt. Der alte Robben-Jäger Ikuma zum Beispiel träumt von einem neuen Gewehr – inklusive Zielfernrohr als besonderes Leckerli – kann es sich aber lange Zeit nicht leisten. Das Geld ist knapp. Doch sein altes Schießeisen will irgendwie nicht mehr. Als er das Geld zusammen hat, das neue Gewehr mit auf Jagd nimmt und dennoch nicht treffen kann, erreicht ihn die Erleuchtung: Nicht das alte Gewehr war schuld, sondern er selbst. Er muss zu sich finden und seine Probleme lösen, dann funktioniert auch wieder die Robben-Jagt. Am Ende vertraut er wieder auf sein altes, einfaches Gewehr. Damit lässt sich schließlich auch besser kleine Robben-Babys erlegen.
Ungefähr in dieser Marschroute verläuft Magidsons Film, der sich selbst mit einem alles überbordenden Soundtrack aus Volkpop und einem mit Pathos angereichten Engelschor gänzlich erdrückt, statt die eigene Intention zu fördern. Die Werte einer Coming-of-age-Geschichte bleiben so auf der Strecke charakterlicher Eindimensionalität stecken. „Inuk“ besitzt eine Überzahl von klassischen Stereotypen, die der eigentlich interessanten Geschichte die Füße unter den Boden wegziehen.
Eine Rabenmutter, die sich nicht um ihren Sohn kümmern will, ein versoffener Stiefvater, der nur schlägt und tagein, tagaus Bier trinkt, eine fürsorgliche Pflegerin, die aber nicht den Ernst der Lage erkennt und ein raubeiniger Einsiedler, der mit Hilfe seines neuen Schützlings seine eigene tragische Vergangenheit aufarbeitet. Dazwischen: Inuk, der nicht weiß wohin er gehen soll. Die Storyline ist von der ersten Sekunde an zu vorhersehbar und zu beliebig, um den Zuschauer für sein Thema zu interessieren. Besonders ärgerlich bleibt die schlussendliche Ausfahrt, die der Film nimmt: Dramaturgische Overkills, die sich gegenseitig versuchen zu toppen: Damit landet man beim B-Movie in Hollywood. Etwas Amüsantes bleibt: Der Zuschauer hat dabei viel zu Schmunzeln.
Über eine klassische Jugend-Geschichte kommt „Inuk“ nicht hinaus, der zudem die cineastischen Stationen der Do-It-Yourself Selbstfindung brav aneinander reiht und dies mit pseudo-traditionellen Tönen vermischt, um irgendwie einen halbgaren Bezug zur eigenen Kultur herzustellen. Dabei kann noch nicht einmal das Gefühl von frostiger Atmosphäre inmitten grönländischer Landschaft punkten, da es dem Film an Transaktion fehlt. Zu selten erstellt Mike Magidson eine Verbindung zwischen Setting und Handlung her, so dass es dem Film an einer durchdachten Inszenierung fehlt. Jeder Einstellung klebt etwas Eingestaubtes bei, jeder dramatischer Effekt wirkt unzählig oft gesehen. So kann man ein zeitloses Thema auch kaputtfilmen. Es geht.

Fazit Es riecht nach Hollywood in Grönland. Regisseur Mike Magidson inszeniert ein ausgelutschtes Coming of Age-Drama vor einer imposanten Kulisse, schafft es aber auch nicht über Bilder sein schwaches Drehbuch zu retten. So bleiben Stereotypen, eine einfältige Dramaturgie und ein alles übernervender Soundtrack.





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