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Kritik: Ein Freitag in Barcelona (2012)


"Ein Freitag in Barcelona" ist der neue Film des spanischen Regisseurs Cesc Gay, der hier das Who is Who des spanischsprachigen Films vor der Kamera versammelt hat. Einfühlsam und melancholisch erzählt er von den Sorgen und Nöten, mit denen das starke Geschlecht von heute in der Midlife-Crisis zu kämpfen hat. Beziehungskrisen, Zukunfts- und Lebensängste - das sind die Dinge, die die Männer in "Ein Freitag in Barcelona" bewältigen müssen. Sie alle haben eine signifikante Lebens- und Identitätskrise und in jeder der Episoden treffen sie auf einen anderen Menschen, mit dem sie ins (tiefgehende) Gespräch kommen. Diese Begegnungen ziehen unerwartete Ereignisse und Folgen nach sich. Klingt alles sehr nach Woody Allen und nach Filmen wie "Der Stadtneurotiker" oder "Ehemänner und Ehefrauen". Und tatsächlich: "Ein Freitag in Barcelona" kann es in jedem Fall mit diesen Klassikern der Geschlechterkomödie aufnehmen - einem starken Drehbuch und dem sensationellen Cast sei Dank.

"Ein Freitag in Barcelona" präsentiert fünf einfühlsame Liebesgeschichten, alle geschildert aus der männlichen Perspektive. Frauen spielen hier die untergeordnete Rolle, sind zumeist nur die Inhalte der jeweiligen Gespräche und - abgesehen von der letzten Episode - kaum im Bild zu sehen. Jede dieser kleinen, zu Herzen gehenden Geschichten sind in sich geschlossene, zarte Melodramen, die den (vor allem männlichen) Zuschauer jenseits der 50 mitten ins Herz treffen. "Ein Freitag in Barcelona" ist dabei aber auch ein klassischer Schauspielerfilm in der Machart eines "Short Cuts" von Robert Altman oder "Magnolia" von P. T. Anderson. Hier treffen großartige Schauspieler des spanischen Kinos in ungewöhnlichen Situationen aufeinander und zeigen all ihre darstellerische Brillanz und Ausdrucksfähigkeit. Regisseur Gay kommt dabei erstaunlicherweise fast komplett ohne Schnitte aus. Diese finden sich lediglich zwischen den einzelnen Episoden, um sie voneinander klar abzugrenzen.

Und um nochmal auf den großen Neurotiker und Melancholiker Woody Allen zu sprechen zu kommen: die Figuren in "En Freitag in Barcelona" sind wesentlich weniger eitel und neurotisch als die Protagonisten in den Filmen des Meisters. Auch das macht "Ein Freitag in Barcelona" und seine natürlichen, da aus dem Leben gegriffenen Charaktere so besonders und reizvoll.

Fazit: Stark gespielter Episodenfilm mit den größten Stars des spanischsprachigen Kinos, der den Ist-Zustand des Mannes in der Midlife-Crisis pointiert und einfühlsam darstellt.




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