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Global Player - Wo wir sind isch vorne
Global Player - Wo wir sind isch vorne
© Movienet © 24 Bilder

Kritik: Global Player - Wo wir sind isch vorne (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Als eine gelungene, ausgewogene Mischung aus Wirtschaftsdrama, leichter Komödie und mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit ausgestattetem Heimatfilm, kommt der neue Film von Regisseur Hannes Stöhr ("Berlin Calling") daher. Stöhr drehte den Film in seiner Heimat, er stammt selbst aus dem baden-württembergischen, in der Schwäbischen Alb gelegenen Örtchen Hechingen, in dem die Handlung des Films angesiedelt ist. Dabei sind es vor allem die blendend aufgelegten Darsteller und die zu Herzen gehende Mixtur aus komischen Momenten und tragischen Elementen, die den Reiz von "Global Player" ausmachen.

Die komplexen Themen "Globalisierung" und "wirtschaftlicher Strukturwandel" bricht Regisseur Stöhr in seiner charmanten Heimatdramödie herunter auf einen traditionsreichen schwäbischen Familienkonzern, in dem sich manifestiert, was heutzutage leider das Schicksal vieler deutscher, familiengeführter Unternehmen ist. Die günstigen Produktionskosten in benachbarten Ländern und die zunehmende (ausländische) Konkurrenz treiben immer häufiger jene Firmen in den finanziellen Ruin, die nach dem Zweiten Weltkrieg erheblichen Anteil am Aufschwung in Deutschland sowie dem Wirtschaftswunder hatten und über Jahrzehnte hinweg mit echter deutscher Wertarbeit und Qualität punkteten – exakt so ein Unternehmen ist die Firma "Bogenschütz & Söhne", die im Zentrum des Films und kurz vor dem Kollaps steht.

"Global Player" macht deutlich, wie dramatisch und packend wirtschaftliche Themen sein können. Der Film schildert den Kampf von Michael Bogenschütz um den Erhalt des Unternehmens facettenreich und spannend. Als Zuschauer fühlt man mit dem Junior-Chef mit, auf dem der Druck der Verantwortung nur allzu schwer lastet. Sorgfältig überlegt er sich mögliche Strategien, um das Lebenswerk seines Vaters doch noch vor dem Ende zu bewahren. Christoph Bach gelingt es dabei hervorragend, den innerlich zerrissenen Firmen-Leiter zu verkörpern, der das das Familienunternehmen eigentlich bewahren will, aber letztlich doch nicht vor einem Verkauf an die asiatische Konkurrenz zurückschreckt, um den finanziellen Ruin von "Bogenschütz & Söhne", und damit auch seinen ganz persönlichen, noch zu verhindern. Das Highlight in darstellerischer Hinsicht bleibt dennoch Schauspiel-Urgestein Walter Schultheiß, der als permanent nörgelnder, menschenhassender Miesepeter echte Glanzpunkte setzt.

Gemeinsam mit seiner ihm hörigen, vollbusigen polnischen Pflegerin macht sich der Senior-Chef auf den Weg zu seinen Töchtern, um Unterstützung gegen den Verkauf der Firma an die Asiaten zu erhalten. Immer wieder erinnert sich der Alte dabei an seine Zeit als Weltkriegssoldat, seine traumatische Kriegsgefangenschaft und den schweren Start als Unternehmer in einem Land, das vollständig in Trümmern lag. Regisseur Stöhr lässt diese Erinnerungen von Paul Bogenschütz immer wieder in Form von originalen Schwarz-Weiß-Bildern in seinen Film als historische Einsprengsel einbauen. Diese Nebenhandlung und kurzen Einschübe schaden dem Film und seiner Dramaturgie dabei nicht, im Gegenteil, sie verdeutlichen nachhaltig, wieso dem knorrigen Misanthrop so viel an seiner Firma und dem Lebenswerk liegt. Trotz des drohenden Unheils um den wirtschaftlichen Verfall der Firma, garniert Stöhr seinen Film immer wieder mit unzähligen witzigen Szenen und Momenten (z.B. der Besuch der asiatischen Konkurrenz zur Besichtigung der Firma oder wenn sich Paul Bogenschütz mit seiner toughen Pflegerin mal wieder "kabbelt"), die zum Schmunzeln einladen und dem Film ein wenig von seiner Tragik nehmen.

Fazit: Sympathische, mit großartigen Darstellern besetzte Mischung aus Wirtschaftsdrama und Heimatkomödie, die genau den richtigen Mix aus Tragik und Heiterkeit findet.




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