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Kritik: MansFeld (2012)


Über einen längeren Zeitraum hat Dokumentarfilmer Mario Schneider in seinem Film „MansFeld“ die Kinder und ihre Familien im Alltag begleitet. Unaufgeregt erzählt er von ihren Sorgen und Gedanken, von ihren Träumen und Spielen.

Seine Protagonisten hat er gut ausgewählt. Bereits am Anfang des Films wird durch ihre schulischen Leistungen und Familienszenen deutlich, dass sie sehr unterschiedlich sind: Paul hat Probleme mit der Rechtschreibung und muss darum kämpfen, in der Schule den Anschluss zu behalten. Seine Familie steht hinter ihm und hilft ihm auf unterschiedliche Weise. Deshalb ist sie auch stolz, dass in seinem Zeugnis seine Hilfsbereitschaft betont wird. Im Hintergrund schwelt dabei die Angst, dass Pauls Vater aufgrund eines Unfalls seine Arbeit verlieren könnte. In einem ist Paul aber ein Vorbild: Keiner lässt die Peitsche so gekonnt knallen wie er.
Der achtjährige Tom wächst hingegen mit seiner Mutter Claudia und ihrer Freundin Steffi auf, seinen Vater sieht er am Wochenende. Er wird umsorgt, kümmert sich aber gleichermaßen auch um die Erwachsenen, indem er ihnen beispielsweise morgens einen Kaffee macht. Oft liest er etwas vor und offenbart seine kindliche Sichtweise auf die Welt, hinter der mitunter fast schon eine Philosophie steckt. So fürchtet er sich vor der dunklen Seite seines Bettes und schläft lieber auf der hellen Seite ein. Er bastelt gerne und ist fasziniert von Steffis Arbeit in einer Elektrofirma.
Der dritte Junge ist der neunjährige Sebastian, dessen Familie dem bürgerlichen Ideal am nächsten kommt. Er ist beliebt, gut in der Schule und fast alle Mädchen sind verliebt in ihn. Zu seinem jüngeren Bruder hat er ein enges Verhältnis, sie spielen und toben miteinander und dieser herzliche, oftmals wilde und zugleich vertraute Umgang macht sehr deutlich, dass es ein großer Unterschied ist, ob man allein oder mit Geschwistern aufwächst.

Die Kinder und ihre Familien haben eine sehr große Nähe zugelassen, so dass die Kamera ein Teil der Familien geworden zu sein scheint. Dadurch sind unaufgeregte Bilder entstanden, die die Kinder beim Schlafengehen und Spielen zeigen oder Pauls Vater, der seine Zuneigung gegenüber seinen Söhnen auf kernige Weise ausdrückt. Diese Szenen vermitteln fast schon soziologische Einblicke in das Leben von Familien in einer kleinen Gemeinde und beschwören zudem den Zauber der Kindheit.

Konsequent steuert „MansFeld“ auf das Pfingstfest als finalen Höhepunkt zu. Wiederholt sind die Kinder beim Üben mit der Peitsche und die Eltern bei den Vorbereitungen zu sehen, dann ist es endlich soweit. Sie ziehen sich ihre weißen Hemden an, schmücken sich und marschieren los. Durch die Montage mit historischen Aufnahmen vergangener Feste wird die lange Tradition des Festes deutlich.
Das Mansfelder Land ist eine Region, die vom Strukturwandel besonders betroffen ist. Mit wenigen Einstellungen verweist Mario Schneider auf die brachliegende Bergbau-Tradition. Aber dieses Fest ist geblieben. Jedes Jahr vertreiben die Jungen als Frühling den Winter, dargestellt von Erwachsenen. Es ist eine Konstante im Mansfelder Land.

Fazit: "MansFeld" erzählt von einer alten Tradition und dem Zauber der Kindheit.





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