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Zwei Mütter
Zwei Mütter
© Salzgeber & Co

Kritik: Zwei Mütter (2013)


"Zwei Mütter" ist das erste abendefüllende Werk der Filmemacherin Anne Zohra Berrached, die an der Filmakademie Baden-Württemberg studierte und eigentlich auf Dokumentarfilme spezialisiert ist. Nachdrücklich und authentisch schildert sie die zermürbende Odysee eines lesbischen Paares, an Sperma für ein gemeinsames Kind zu kommen, das sich die Beiden sehnlichst wünschen. Dass Berrached eigentlich im Doku-Film zu Hause ist, merkt man dem Film deutlich an, der sich nicht nur als unheimlich stark gespieltes, sondern auch extrem informatives, gut recherchiertes Doku-Drama erweist, das ein ernstes und bisher viel zu selten behandeltes Thema ins Zentrum rückt.

Zu Beginn des Films erlebt man ein noch unbeschwertes, glückliches lesbisches Paar, das starke Gefühle füreinander hegt und sich nichts mehr wünscht, als ein gemeinsames Kind. Die Beziehung bekommt jedoch erste Risse, als sich die Suche nach einer passenden Samenbank in Deutschland als ziemlich schwierig, gar aussichtslos erweist. Die meisten Samenbanken lehnen aus rechtlichen Gründen ab, nach langer Suche erklärt sich schließlich ein Arzt zu den kostspieligen und (am Ende nicht erfolgreichen) Inseminationen bereit. Mit solch hohen bürokratischen und rechtlichen Hürden hatten weder das betreffende Paar noch - davon ist ziemlich sicher auszugehen - ein Großteil der Zuschauer gerechnet. Dass es in einem fortschrittlichen, modernen Staat wie Deutschland für ein lesbisches Paar wie Isabella und Katja derart beschwerlich ist, an das benötigte Sperma zu kommen ist gleichermaßen überraschend wie schockierend.

Dabei versorgt Regisseurin Berrached die Zuschauer immer wieder mit interessanten Infos rund um dieses Thema, indem z.B. Isabella in einer Szene minutenlang am Telefon sämtliche Gesetze und Handhabungen rund um das Thema Samenspende erfragt. Dabei lässt Berrached dem rechtlichen und gesellschaftlichen Drumherum aber auch nicht zu viel Raum, weshalb "Zwei Mütter" auch zu keinem Zeitpunkt zu einem mit Infos überfrachteten, langweiligen Sozial-Drama verkommt. Großes Lob gebührt zudem den beiden Hauptdarstellerinnen Karina Plachetka und Sabine Wolf, die ihre Rollen authentisch verkörpern. Man nimmt den Beiden das zu Beginn noch unbeschwerte, glückliche Paar zu jeder Sekunde ab. Und auch wenn das Paar im Laufe der Enttäuschungen und Rückschläge im Kampf um das Sperma immer wieder einstecken muss und schließlich die Beziehung auf der Kippe steht, erscheinen Plachetka und Wolf glaubwürdig.

Fazit: Großartig gespieltes, sensibel inszeniertes und mit wichtigen, hochinteressanten Infos gespicktes Doku-Drama über ein lesbisches Paar, das um ein eigenes Kind kämpft und bald an die rechtlichen Grenzen dieses Wunsches stößt.




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