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Das große Museum
Das große Museum
© Real Fiction

Kritik: Das große Museum (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Wie eine Fliege an der Wand beobachten der Regisseur Johannes Holzhausen und sein Filmteam in "Das große Museum" das faszinierende Treiben im Kunsthistorischen Museum in Wien. Ganz im Sinne des Direct Cinema wird dabei komplett auf Interviews, Begleitmusik sowie Kommentare aus dem Off verzichtet und so steht allein der Arbeitsalltag der unterschiedlichen Protagonisten im Mittelpunkt. Dass das nie langweilig wird, liegt einerseits an den vielfältigen Arbeitsprozessen, die Tag für Tag im KHM ablaufen und die Holzhausen in kurzen, durchweg prägnanten Episoden porträtiert. Eine Fülle von Mitarbeitern tritt dabei auf und sie alle erleben ihre eigenen Geschichten unter dem Museumsdach: Eine Restauratorin wird Teil eines spannenden Krimis, wenn sie entdeckt, dass die vermeintliche Rubens-Skizze, an der sie arbeitet, gar nicht typisch für den großen Meister ist. Und die Frau vom Besucherdienst, die die Geschäftsführung darauf aufmerksam macht, dass die Aufseher bei der Weihnachtsfeier immer etwas am Rand sitzen, wird für einen Augenblick zur charmanten Hauptdarstellerin einer Sozialkomödie.

Zum anderen besticht "Das große Museum" durch die unaufgeregte, aber humorvolle Herangehensweise der Filmemacher. Die präzise Kameraarbeit von Joerg Burger und Attila Boa beschränkt sich bis auf wenige Schwenks und Fahrten auf statische Einstellungen und blickt konzentriert auf die verschiedenen Tätigkeiten der Protagonisten; sie erfasst behutsame Handgriffe, aufmerksame Blicke und ebenso lebhafte Diskussionen. Die Bildkompositionen sind dabei voller Anspielungen und zeigen immer wieder skurrile Motive wie fechtende Frösche, Sphinxe im Lagerraum und einen Eisbären im Aufzug. Besonders im Zusammentreffen von Banalem und Monumentalem entwickelt "Das große Museum" nicht bloß seine reizvolle Komik, sondern regt darüber hinaus zum Nachdenken an: Wie passt das zusammen, die Reinigungskraft mit Staubwedel und die überlebensgroße antike Gottheit, aber auch die knallharten Budgetkalkulationen mit der feinen Handarbeit der Restauratoren? So entsteht nach und nach das schillernde und vielseitige Bild einer Kulturinstitution zwischen Marktdenken und Traditionsbewusstsein.

Fazit: Dieser unaufgeregte Dokumentarfilm im Stil des Direct Cinema wagt einen neugierigen Blick auf das Treiben hinter den Kulissen eines großen Museums. Mit Humor und voller Anspielungen porträtiert der Regisseur Johannes Holzhausen die faszinierenden Arbeitsprozesse im Kunsthistorischen Museum in Wien und macht aus dessen Mitarbeiter zu charmanten Protagonisten.





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