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Art s Home is my Kassel - 100 Tage documenta-Stadt
Art s Home is my Kassel - 100 Tage documenta-Stadt
© Real Fiction

Kritik: Art’s Home is my Kassel - 100 Tage documenta-Stadt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In ihrem Debüt-Dokumentarfilm "Art's Home is my Kassel – 100 Tage documenta-Stadt" halten die beiden Kassler Filmemacherinnen Katrin und Susanne Heinz fest, wie sich auch im Jahre 2012 ihre ansonsten denkbar ruhige Heimatstadt in das Mekka des globalen Kulturzirkus verwandelt. Dabei gehen die Debütantinnen denkbar frei und assoziativ vor. An Stelle eines festen inszenatorischen Rahmens gibt es lediglich gelegentliche Einblendungen, an welchem Tag des 100-tägigen Spektakels die aktuelle Szene gefilmt ist. So entsteht für den Zuschauer fast der Eindruck selbst ein Dauergast der Documenta zu sein. Und als dieser Gast hat man alle Zeit der Welt, um in Ruhe durch die Stadt zu schlendern und sich die verschiedensten Kunstwerke anzugucken. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Besucher kann man dabei auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich dabei davon überzeugen, dass hinter all der kreativen Pracht auch jede Menge an schweißtreibender Arbeit steckt. Diese wird nicht nur von den jeweiligen Künstlern, sondern auch von zahlreichen Handwerkern und Technikern ausgeführt. Schließlich müssen die fertigen Objekte die strengen deutschen Baubestimmungen und die Möglichkeit einer kompletten Rückbaubarkeit berücksichtigen.

Das ist recht interessant und häufiger auch amüsant. Allerdings bleibt der Informationsgehalt minimal. Interessant wären doch Auskünfte zu Fragen, wie z.B. die Gründe für die damalige Entscheidung 1955 ausgerechnet Kassel als Ort für solch ein Ereignis zu wählen. Die Stadt ist innerhalb von Deutschland zwar denkbar zentral gelegen, aber verkehrstechnisch ist z.B. das nicht weit entfernte Rhein-Main-Gebiet wesentlich besser angebunden. Doch solche Hintergrundinformationen werden komplett ausgeblendet. Ebenfalls hoch interessant wäre es auch zu sehen, ob das nun bereits seit Jahrzehnten regelmäßig wiederkehrende kulturelle Großereignis nicht doch inzwischen Spuren in der Stadt gelassen hat. Einer ARTE-Dokumentation zu Kassel zu Folge, ist dies nämlich inzwischen sehr wohl der Fall. Aber auch zum Stand der Entwicklung einer Kunstszene vor Ort jenseits der Documenta wird in "Art's Home is my Kassel – 100 Tage documenta-Stadt" kein Wort gesagt. Es wird sogar noch nicht einmal danach gefragt, ob es eine solche Kunstszene überhaupt gibt. Am besten funktioniert "Art's Home is my Kassel – 100 Tage documenta-Stadt" deshalb als ein Documenta-Werbefilm, der Lust darauf macht, sich bei der nächsten documenta selbst einmal (wieder) in das bunte Getümmel zu stürzen und das einmalig provinziell-mondäne Flair zu genießen, welche die verschlafene nordhessische Stadt Kassel zu dieser Zeit 100 Tage lang zu bieten hat.

Fazit: "Art's Home is my Kassel – 100 Tage documenta-Stadt" ist eine amüsante Dokumentation, zu dem quirligen Treiben, dass währen der Documenta für 100 Tage die Stadt Kassel erfasst. Allerdings hat man nach der Betrachtung auch nicht das Gefühl, wirklich Wesentliches hinzugelernt zu haben.





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