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Richard Deacon - In Between
Richard Deacon - In Between
© mindjazz pictures

Kritik: Richard Deacon - In Between (2012)


Neben Richard Serra und Richard Long zählt der aus Wales stammende Künstler Richard Deacon zu den bedeutendsten und einflussreichsten Bilderhauern der Gegenwartskunst. Besonders bekannt ist Deacon für seine komplexen Raumkörper und riesigen Skulpturen aus Holz, Stahl oder Kunststoff. Seine ganz eigene, spezielle Auseinandersetzung mit Raum und Form ermöglicht einen völlig neuen Blick auf die von ihm geschaffenen Kunstwerke und die Bildhauer-Kunst im Allgemeinen. Die Filmemacherin Claudia Schmid begleitete den Künstler und Privatmann Richard Deacon hautnah über einen Zeitraum von zwei Jahren. Mit "Richard Deacon – In Between" kreierte sie ein intimes und authentisches Porträt des wegweisenden Künstlers. Seine Kindheit erlebte Richard Deacon, Sohn eines britischen Militärs, zwischen England, Sri Lanka und den USA. Ab Ende der 60er-Jahre experimentierte Deacon mit der Kunstform der Fotografie. Er begann, Bilder seiner Freunde, Umgebung und eigener Handlungen zu machen – stets begleitet mit von ihm selbst verfassten Texten, die ihrerseits wiederum Teil von Objekten wurden. In den 60er und 70er-Jahren studierte Deacon an verschiedenen Kunsthochschulen in London u.a. Kunstgeschichte und Philosophie. Es war auch die Zeit, in der er anfing, mit Körpern und Klängen verschiedenster Art zu experimentieren und diese Arbeiten allesamt auf Tonbändern festzuhalten. Nach dem Ende seiner Ausbildung wusste er jedoch erst einmal nicht, wie es für ihn (beruflich wie privat) weitergehen sollte.

Die folgenden zwei Jahre schlug er sich immer wieder mit Gelegenheitsarbeiten durch, bevor er sich mit Freunden zu einer Künstlerkooperative zusammenschloss. Im Anschluss entwickelte er sich durch seine gewaltigen Skulpturen und Körper zu einem der wichtigsten Künstler Großbritanniens.

Seit dem Jahr 1970 nimmt Deacon immer wieder an Gruppenausstellungen überall auf der Welt teil, z.B. an der "Nouvelle Biennale de Paris" (1985) oder der "documenta" in Kassel (1992). Seine erste Einzelausstellung hatte er 1978 in der berühmten "Gallery" in London. Seit dieser Zeit hat Deacon bis heute unzählige Einzelausstellungen und Retrospektiven in den renommiertesten Häusern der Welt, wie etwa der "Tate Gallery" in London (1985), oder dem Museum "Haus Esters" in Krefeld in den frühen 90ern. Heute lebt und arbeitet Deacon abwechselnd in London und New York.

Das Besondere an "In Between" ist die ausgewogene Mischung aus filmischer Beobachtung von Deacon bei seiner täglichen Arbeit an seinen Kunstwerken und Skulpturen und den langen, intensiven Gesprächen der Filmemacherin mit ihm über die Themen Kunst, Philosophie, Politik und Gesellschaft. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, und Regisseurin Claudia Schmid gelang es in dieser Zeit, zu dem scheuen Künstler ein vertrauensvolles, intimes Verhältnis aufzubauen. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie der berühmte Bildhauer bei der Arbeit mit seiner Kunst regelrecht verschmilzt und eins mit ihr wird. Über die Bilder legt Schmid die klugen und interessanten Beobachtungen und Ansichten Deacons in Form von Off-Kommentaren, z.B. zum Thema "Kreativität und Kunst": "Man kann Kreativität nicht erzwingen. So entsteht keine Kunst. Man kann nicht auf Befehl arbeiten."

Fazit: Mit einer gelungenen Mischung aus dokumentarischer Beobachtung des Künstlers Richard Deacon bei seiner täglichen Arbeit und ausführlichen Gesprächen zu den Themen Kunst, Philosophie und Gesellschaft, gelingt Claudia Schmid das dichte Porträt eines absoluten Ausnahmekünstlers.





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