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Kritik: Trainer (2013)


Trainer-Kritik Fußball zu schauen, Ergebnisse zu analysieren und Spieler zu kritisieren gehört wohl zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Längst ist der Sport "Fußball" hierzulande zur nationalen Leidenschaft geworden, Spieler und Vereine stehen stark im Fokus der Öffentlichkeit und demzufolge auch ungemein unter Druck. Aber es sind nicht nur die Spieler, die diesem unerbittlichen Leistungs- und Erfolgsdruck ausgesetzt sind, auch die verantwortlichen Trainer müssen den Meinungen und Launen der Funktionäre, Fans und Journalisten standhalten. Der Spezies "Trainer" widmet sich der aus Bonn stammende TV-Journalist und Filmemacher Aljoscha Pause mit seiner neuesten Dokumentation "Trainer" nun ausführlich. Pause begleitete für seinen Film drei Fußballlehrer der 2. und 3. Liga und gewährt dank der hohen Authentizität und einer stringenten Inszenierung einen spannenden und informativen Einblick in den Arbeitsalltag eines Profi-Fußballtrainers.

Aljoscha Pause zählt zu den führenden Sport-Dokumentarfilmern des Landes. Dem Grimme-Preisträger gelang mit seiner Langzeitdokumentation "Tom meets Zizou" 2011 ein großer Kritikererfolg. Darin begleitete Pause den ehemaligen Profifußballer Thomas Broich acht Jahre lang mit der Kamera und ermöglichte Fans und Interessierten einen umfassenden Einblick in die Welt des Profifußballs, den es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Ebenso ausführlich beleuchtet Pause mit seinem neuen Film nun die Position und Funktion des Fußball-Trainers. Dabei interessiert ihn neben ganz grundsätzlichen Fragestellungen – z.B. wie der Arbeitsalltag eines Trainers aussieht und welche Ausbildung man durchlaufen muss – vor allem die Frage, wie die jeweiligen Fußballlehrer mit dem unmenschlichen Druck umgehen. Pause lässt dafür eine ganze Reihe an erfahrenen, namhaften Trainern und Spielern zu Wort kommen. Zudem folgt er den Trainern auf Schritt und Tritt - sei es in der Kabine, an der Seitenlinie oder auf dem heimischen Sofa. Dadurch gewinnt "Trainer" an Realismus und Authentizität und dringt schonungslos und offen bis zum Kern des Business vor.

Stephan Schmidt, André Schubert, Frank Schmidt – SC Paderborn, FC St. Pauli, 1. FC Heidenheim. Eine Saison lang begleitete Aljoscha Pause diese drei Trainer bei ihrer täglichen Arbeit. Es ist dem Regisseur hoch anzurechnen, dass er sich nicht für das Porträt berühmter, medial omnipräsenter Bundesliga-Trainer entschied, sondern sich drei eher unbekannte Coaches vornahm, die der Öffentlichkeit weniger bekannt sind. Er zeichnet ein facettenreiches Bild vom knallharten Job des Profi-Trainers, das vor allem in der Unterschiedlichkeit der drei Protagonisten begründet liegt. Da ist zum einen der Paderborner Trainer Stephan Schmidt, der neu im Geschäft ist und gleich in seiner ersten Saison die volle Härte des Jobs zu spüren bekommt. Daneben agiert André Schubert als Trainer des Traditionsklubs FC St. Pauli, der eine ganze Reihe an sportlichen und organisatorischen Problemen gleichzeitig lösen muss. Und schließlich Heidenheims Frank Schmidt, der mit seinem Team beste Chancen hat, um den Aufstieg mitzuspielen.

Die hohe Wirklichkeitsnähe des Films resultiert dabei in erster Linie daraus, dass Pause in allen nur denkbaren Momenten und Situationen mit der Kamera dabei ist: an der Seitenlinie, bei Teamsitzungen, beim Training – ja sogar bis unter die Dusche folgte er seinen Hauptakteuren. Höhepunkt des Gezeigten: Die O-Töne, die Heidenheims Coach Frank Schmidt direkt aus der Kabine liefert, nachdem ihn Pause ausführlich verkabelte. Glaubwürdigkeit erhält der Film weiterhin durch die interessanten Ausführungen und Ansichten der zahlreichen Befragten, von Thomas Schaaf über Armin Veh bis hin zu Jürgen Klopp. Pause verzichtet auch auf jegliche Off-Kommentierung und lässt die Bilder für sich alleine sprechen.

Fazit: Glaubwürdig und realitätsnah schildert "Trainer" das beinharte Geschäft des Profi-Fußballtrainers. Der Film zeichnet sich durch die intime Nähe zu seinen Porträtierten und die hohe Anzahl an fachkundigen, informativen O-Tönen aus.




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