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Unplugged: Leben Guaia Guaia
Unplugged: Leben Guaia Guaia
© W-Film

Kritik: Unplugged: Leben Guaia Guaia (2012)


Ein Jahr lang folgte der Filmemacher und Schriftsteller den beiden Musikern, die sich nach dem Schulabbruch nach der 10. Klasse im Jahr 2010 dazu entschlossen, ihre Wohnung aufzugeben und als Straßenmusiker durch die Städte zu ziehen. Obwohl sie keinen Cent in der Tasche und nicht einmal eine Krankenversicherung haben, arbeiten sie konsequent und zielsicher auf ihren größten Traum hin: mit ihrer Straßenmusik-Kapelle "Guaia Guaia" den Durchbruch als Musiker zu schaffen. Die Kamera folgt den Männern bei ihrem täglichen Überlebenskampf auf der Straße und zeigt, welche Entbehrungen ein solches Leben ohne jegliche Sicherheiten mit sich bringt. "Unplugged: Leben Guaia Guaia" ist demnach viel mehr als nur ein Musikfilm oder ein Porträt zweier Musiker. Es ist in erster Linie ein Film über Freundschaft und Ideale, der die tiefe Verbundenheit der Musiker mit ihrer Kunst und ihrem selbst gewählten Vagabunden-Leben offenlegt.

Es sind schon erstaunliche und bemerkenswerte Bilder, die der Zuschauer mit staunenden Blicken hier zur Kenntnis nimmt. Da radeln zwei extrem talentierte, blutjunge Männer, denen eigentlich die Zukunft offen stünde, voller Enthusiasmus und Motivation quer durch Deutschland, über Autobahnen, durch enge Gassen irgendeiner kleinen Ortschaft oder steile Hänge hinab. Dazwischen sieht man Elias und Luis immer wieder vor wild umher tanzendem Publikum musizieren und feiern. Ihre Musik scheint anzukommen. Das lässt sich am Ende eines Tages am bis zum Anschlag mit Münzen gefüllten Hut ablesen. "Unplugged: Leben Guaia Guaia" zeigt aber immer wieder auch, wie schwierig sich der Alltag als "(Über) Lebenskünstler" gestaltet. Man sieht die Beiden, wie sie des Nachts auf der Suche nach einem sicheren Schlafplatz in einen ausrangierten Zug klettern, sich an einem öffentlichen Springbrunnen waschen ("So duscht man als Nobelpenner") oder ihre Kleidung aus Altkleider-Containern zusammensammeln. Elias und Luis wollen sich frei machen vom materiellen Druck der sie umgebenden Gesellschaft, und sie beweisen eindrucksvoll, dass sie ihren eigenen Weg gehen können. Das macht der Film zu jeder Sekunde deutlich.

Einen Tag nach dem Kinostart am 11. Juli erscheint das neue Album von Guaia Guaia, "Eine Revolution ist viel zu wenig". Nach drei CDs im Eigenverlag ist dies die erste bei einem Majorlabel: Universal.

Fazit: Eine beeindruckende Doku über zwei bemerkenswerte junge Männer, die sich gegen Konsum und gesellschaftliche Unterordnung und für ein freiheitliches Leben ohne Studium, Job und Facebook entschieden haben.





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