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Sofias letzte Ambulanz
Sofias letzte Ambulanz
© W-Film

Kritik: Sofias last Ambulance (2012)


Ein Dokumentarfilm der besonderen Art ist das Langfilm-Debüt des bulgarischen Filmemacher Ilian Metev, "Sofias last ambulance", der drei Protagonisten hautnah bei ihrem täglichen beruflichen Wahnsinn begleitet. Zwei Jahre lang filmte Regisseur Metev für "Sofias last ambulance" und war in dieser Zeit ständiger Begleiter von Krassi, Mila und Plamen. Beim 55. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm erlebte die Dokumentation ihre Premiere und wurde im Internationalen Wettbewerb mit der Silbernen Taube ausgezeichnet. Zu Recht – erweist sich der Film doch als tiefgründiger, fesselnder aber auch erschreckender Einblick in das kaputte Gesundheitssystem eines der ärmsten Länder der EU.

"Sofias last ambulance" ist in jeglicher Hinsicht ein besonderer Doku-Film, der mit (fast) allen typischen Regeln und Charakteristika des Genres konsequent bricht. Durch die extrem subjektive Kamera, durch die der Zuschauer zu einem Teil des Mikrokosmos' "Krankenwagen" und der sich darin abspielenden Ereignisse wird, fühlt man sich zu jeder Zeit mitten ins (hektische) Geschehen hineinversetzt. Mehr noch: Die Welt außerhalb scheint nicht zu existieren oder spiegelt sich – wenn überhaupt – nur über die Nahaufnahmen der drei Hauptpersonen wider. Gesicht-Nahaufnahme folgt auf Gesicht-Nahaufnahme und das Geschehen drum herum – die verletzten Personen, der Unfallort, das Ereignis – bleibt letztlich zu weiten Teilen der Phantasie des Zuschauers überlassen. Dem Zuschauer bleiben lediglich diese Großaufnahmen und der Original-Ton, um sich den Rest zusammen zu reimen. Durch diesen ungewöhnlichen aber radikalen Stil, wird "Sofias last ambulance" zu einem unmittelbaren und ungemein eindringlichen Filmerlebnis.

Vor allem zwei Dinge werden bereits nach wenigen Minuten deutlich: zum einen führt der Film das marode, kaputte Gesundheitssystem von Sofia vor Augen, einer europäischen Metropole, die mit gerade einmal 13 Ambulanzen auskommen muss. Angesichts der Tatsache, dass Sofia über zwei Millionen Einwohner verfügt, unfassbar. Der zweite Aspekt ist die Antwort auf die Frage, wie sich für die drei Protagonisten ein solch harter, stressiger Alltag unter Extrembedingungen überhaupt aushalten lässt: mit einer großen Portion Humor. Dieser scheint in den gerade einmal 75-Spielminuten des Films immer wieder durch und wird vor allem dann am deutlichsten, wenn die Situation besonders hektisch und aussichtslos erscheint.

Fazit: "Sofias last ambulance" ist eine radikale und bemerkenswert facettenreiche Dokumentation, die das marode Gesundheitssystem Bulgariens auf nachdrückliche Weise vor Augen führt.





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