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Boulevard
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© Starz Digital Media

Kritik: Boulevard (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein wenig wirkt Dito Montiels leises Drama nach einem Drehbuch von Douglas Soesbe wie aus der Zeit gefallen. Denn während das zeitgenössische queere Kino das Coming-out nicht-heterosexueller Helden bestenfalls noch am Rande streift oder vollkommen ins Coming-of-Age-Genre verbannt hat, ist der Prozess der Bewusstwerdung sowie der Akzeptanz der sexuellen Identität in "Boulevard" das zentrale und nahezu einzige Thema.

Trotz des Einflusses autobiografischer Erfahrungen durch den Drehbuchautor Soesbe bietet der Film dabei doch vor allem bekannte Klischees wie sie auch in älteren Coming-out-Filmen gängig waren: Ein mit seinem Schicksal hadernder Protagonist, eine verzweifelt um ihre Ehe kämpfende Gattin sowie ein ebenso verführerischer wie verantwortungsloser Jüngling sind die Hauptdarsteller in dieser vorhersehbaren Produktion.

Die Erzählung bleibt allerdings nicht bloß frei von Überraschungen, sondern auch von übertriebener Melodramatik: Montiel inszeniert mit großer Zurückhaltung und beweist zudem einen Blick für subtile Details. Symbolträchtige Aufnahmen geben Einblicke in das bewegte Innenleben der Figuren, während der gesellschaftliche Kontext mitunter irritierend vage bleibt.

Bemerkenswert wird "Boulevard" aber erst durch seinen großartigen Hauptdarsteller: In seiner letzten Kinorolle zeigt der im August 2014 verstorbene Robin Williams noch einmal eindrücklich, dass er mehr war als ein begnadeter Komiker. Mit seiner zurückhaltenden Performance gelingt ihm das nuancierte Portrait eines Mannes, der spät im Leben eine alles verändernde Entscheidung treffen muss.

Fazit: Dito Montiels leises Drama verzichtet ebenso auf übertriebene Melodramatik wie auf originelle Einfälle. Lediglich Robin Williams nuancierte Performance rettet den klischeehaften Film vor der Belanglosigkeit.





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