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Out in Ost-Berlin
Out in Ost-Berlin
© dejavu filmverleih

Kritik: Out in Ost-Berlin (2013)


Die Dokumentation “Out in Ostberlin – Lesben und Schwule in der DDR“ von Jochen Hick und Andreas Strohfeldt beleuchtet, wie der Titel verrät, die schwul-lesbische Szene in der DDR. Teilweise nie gezeigte Originalaufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen geben einen Einblick in das Leben, den Alltag und die Probleme der betreffenden Menschen. Es werden solche gezeigt, die dem System der DDR eigentlich positiv eingestellt waren und durch die Ablehnung der freien Auslebung ihrer sexuellen Identität erst oppositionell wurden. Aber auch die, die einfach nur in Ruhe leben wollten und versuchten sich unauffällig zu verhalten. Der Fokus liegt allerdings auf den Aktivisten, die politisch und kulturell für ihre sexuelle Selbstbestimmung eintraten.

In der DDR wurde bereits 1968 der Paragraf 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, gestrichen. Allerdings empfing weder die Staatsführung noch die Gesellschaft die „Verzauberten“, wie sie sich selber in den frühen Jahren nannten, mit offenen Armen. In dem Film kommen Menschen zu Wort, die sich aktiv in Partei und Gesellschaft für ihre Rechte stark machten und allzu oft dafür sanktioniert wurden. So das Beispiel der „Terrorlesben“ aus dem Prenzlauer Berg, die einen Kranz für ermordete Frauen im ehemaligen KZ Ravensburg niederlegen wollten und dafür verhaftet wurden. Oder ein junger Mann, der für sein Engagement mit Parteiausschluss und Abbruch seiner beruflichen Karriere bezahlen musste. Aber es sind auch die privaten Anekdoten, die den Film sehenswert machen. Über Menschen, umgeben von einer eher konservativen und homophoben Gesellschaft, die ihren Spaß hatten in den Freiräumen, die sie sich geschaffen hatten. Und wenn der teilweise absurde Sprachgebrauch der offiziellen Behörden nicht schon für ein Schmunzeln sorgt, sind es der Wortwitz und ein guter Schuss Selbstironie der Protagonisten. „Out in Ostberlin – Lesben und Schwule in der DDR“ ist keine Dokumentation über Opfer, vielmehr eine über Menschen, die für ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung eintraten.

Fazit: Eine interessante und gelungene Dokumentation über die aktive schwul-lesbische Szene in der DDR. Offen und humorvoll berichten Zeitzeugen von ihren Erlebnissen. Ein Tipp nicht nur für „Verzauberte“.





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