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Das Pferd auf dem Balkon
Das Pferd auf dem Balkon
© Neue Visionen

Kritik: Das Pferd auf dem Balkon (2013)


Der österreichische Kinderfilm "Das Pferd auf dem Balkon" ist ein liebenswert schräges Abenteuer, in dessen Mittelpunkt ein leicht autistischer Junge steht. Mikas Eigenheiten und Probleme mit anderen Menschen bilden den Motor der humorvollen, vom deutsch-türkischen Regisseur Hüseyin Tabak inszenierten Geschichte. Ganz unangestrengt erbringt sie den Beweis, wie lohnend der Kontakt mit jemandem sein kann, der ein wenig anders ist. Die erste, die das merkt – außer Mikas Mutter natürlich und der alten Nachbarin Hedi (Bibiana Zeller), die oft auf ihn aufpasst – ist Dana. Sie stammt aus einer Familie mit Migrationshintergrund und ist sich tagsüber selbst überlassen. Dana ist mutig, gewitzt und kann gut hinter die Fassaden der Menschen blicken. Sie findet Mika überhaupt nicht anormal, höchstens interessant, und begleitet ihn mit Neugier und Geduld, wie gute Freunde das eben so tun.

Ein wenig schade ist es schon, dass das Drehbuch, welches auf einem gleichnamigen Kinderbuch von Milo Dor aus den siebziger Jahren basiert, diesen starken Mädchencharakter in die zweite Reihe stellt. Obwohl sie mit Mikas Mutter, Hedi, Sascha und dem Pferd zum Ensemble gehört, das Mika umgibt, spielt dieser unangefochten die tragende Rolle. Der junge Darsteller Enzo Gaier ist eine Schau mit seinem altklugen Charme und seiner ruppigen, direkten Art, die die Dinge oft genug auf den Punkt bringt. Hinter Mikas kindlichen Ernst blitzt gelegentlich sogar augenzwinkernder Schalk auf.

Auch die anderen Charaktere sind originell gezeichnet: Nora Tschirner spielt Mikas verständnisvolle Mutter mit ihrer typischen, amüsiert-sympathischen Präsenz, Hedi ist nicht nur der gute Oma-Ersatz, sondern hat auch einen atemberaubend spannenden Auftritt im Spielcasino. Sascha ist ein sympathischer großer Junge, dem die eigenen Probleme gelegentlich über den Kopf wachsen. Da kann er sich von seiner Wut schon mal fortreißen lassen und verletzend reagieren. Bis in kleine Nebenrollen gibt es realitätsnahe, kernige Situationskomik, zum Beispiel mit einem eingeschüchterten Taxifahrer, der sich bei der zweiten Begegnung mit Mika lieber gleich von ihm die korrekte Route diktieren lässt.

Die Handlung entwickelt streckenweise die Spannung eines Heist-Movies. Weil Mika im Voraus erkennen kann, auf welche Zahl sich die rollende Roulettekugel setzen wird, soll er Hedi per Mikrofon anweisen, damit sie im Casino das große Geld gewinnt – für Sascha und für den teuren Unterhalt des Pferdes. Dabei fiebert man ordentlich mit und wird nicht mit einer platten Auflösung enttäuscht. Es macht großen Spaß, zu erleben, wie Mika ungeahnte Wagnisse eingeht und über sich hinauswächst, nur um seinem vierbeinigen Freund zu helfen, in den er sich so gut einfühlen kann.

Fazit: Der reizende Kinderfilm "Das Pferd auf dem Balkon" präsentiert eine spannende Abenteuergeschichte mit kernigen, realistischen Charakteren, in der die Verhaltensauffälligkeit der überragenden Hauptfigur für humorvolle Dynamik sorgt.





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