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The Deep
The Deep
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: The Deep (2012)


Die Temperatur des Wassers und der Umgebung bewegen sich um den Gefrierpunkt. Gulli (Ólafur Darri Òlafsson), der Protagonist dieses Films, schwimmt weiter. Über fünf Stunden verbringt er im eisigen Wasser und kämpft ums Überleben. Der isländische Regisseur Baltasar Kormákur hat die wahre Begebenheit, die sich 1984 vor den Westmännerinseln Islands zugetragen hatte, verfilmt.

Gulli läuft an einem Morgen mit seinen Freunden auf einem kleinen Kutter aus um zu fischen. Nach kurzer Zeit kentert das Schiff und seine Freunde ertrinken oder erfrieren innerhalb kürzester Zeit. Er muss mit ansehen, wie seine Freunde sterben, ihm noch letzte Worte mitgeben. Nur er bleibt am Leben und schwimmt um selbiges.
Der Film begleitet ihn in diesen dramatischen Stunden. Mit einem sachlichen Ton und in fast schon dokumentarischem Stil beobachtet die Kamera die einzigartige Leistung seines Helden. Vor der beeindruckenden Kulisse der isländischen Küste wird der Zuschauer Zeuge, wie ein Mann, den Tod vor Augen, nicht aufgibt. Er beginnt mit einer Möwe zu sprechen, erinnert sich an einen großen Vulkanausbruch, der seine Kindheit prägte, er fragt sich, ob seine Mutter nun die Schulden beim Lebensmittelladen begleichen müsse, wenn er nicht wiederkommt. Sein Leben läuft an ihm vorbei und gleichzeitig bereut er die Dinge, die er nicht hatte tun können. Warum hat er nicht den Mut zusammengenommen und derjenigen, der sein Herz schon lange gehört, seine Gefühle gestanden? Nur einen Tag noch wünscht er sich und schwimmt weiter.
Bedingungslos begleitet die Kamera seinen Kampf gegen die Gewalt der Natur. Er verschluckt sich am salzigen Wasser des Ozeans und übergibt sich. In welche Richtung muss er schwimmen? Ein Schiff fährt dicht an ihm vorbei, aber er wird nicht gesehen. Als er schließlich die Küste erreicht, ist die Tortur noch nicht zu Ende. Weitere zwei Stunden muss er über ein Lavafeld laufen. Die scharfen Steine zerschneiden seine Füße. Mit letzter Kraft schafft er es, eine Siedlung zu erreichen. Als er von seinen Erlebnissen berichtet, will ihm erst niemand glauben. Bis das verunglückte Schiff gefunden wird.

Der zweite Teil des Films begleitet Gulli in der Zeit danach, mit der Schuld, die er empfindet, als einziger wie durch ein Wunder überlebt zu haben, während seine Freunde tot sind. Er will den hinterbliebenen Frauen und Kindern die letzten Momente schildern und Trost spenden. Die Wissenschaftler glauben nicht an Wunder, können sich die Gegebenheiten allerdings nicht erklären und unterziehen Gulli einer Menge Tests. Ihr Fazit scheint zu sein, dass der voluminöse Gulli wohl aufgrund seines Körperfetts überlebt hat. Ihm ist das egal und er bricht die Untersuchungen ab. Er will zurück in sein Heimatdorf und leben.

Regisseur Kormákur gelingt es, diese ungewöhnlichen Begebenheiten unspektakulär und sachlich zu schildern. Es ist die Ruhe in der Erzählweise, die einen sehr intimen Einblick erlaubt in die Gedankenwelt eines Menschen mit Nahtoderfahrung.

Fazit: Mit einem sehr sachlichen Ton erzählt dieser Film die unglaubliche Geschichte eines Mannes, der aller Rationalität zum Trotz überlebt hat. Der nicht voyeuristische Einblick in seine Gedanken während dieser dramatischen Stunden bewegt zum Nachdenken.





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