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Nicht mein Tag
Nicht mein Tag
© Sony Pictures

Kritik: Nicht mein Tag (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Träumt nicht jeder Bankberater davon, einmal ein Geldinstitut als maskierter Räuber zu stürmen? Vielleicht nicht jeder, und selbst Till Reiners, der seinen Groll über den biederen Verlauf seines Lebens tief im Inneren versteckt, kutschiert den bewaffneten Nappo nicht gerade begeistert vom Tatort weg. Es ängstigt ihn, Gefangener eines tätowierten Mannes mit sehr schlechter Laune zu sein. Dann aber weckt der wilde Heavy-Metal-Fan auch in Till eine ungezähmte Ader – der gleiche Musikgeschmack verbindet. Den Rest besorgen eine handfeste Ehekrise und ein bisschen Alkohol: Till treibt es bald selbst für Nappos Geschmack zu bunt. An der flippigen, rauschhaften Komödie "Nicht mein Tag" überrascht vor allem, dass es sich tatsächlich um eine deutsche Produktion handelt.

Die Inszenierung von Peter Thorwarth basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ralf Husmann, der als Autor verschiedener TV-Comedys bekannt ist, von "Anke" bis "Stromberg". Mit verblüffender Leichtigkeit fädelt die Geschichte kleine Twists auf, die das konflikthafte Buddy-Gespann auf Trab halten. Ein komischer Zufall sorgt dafür, dass Tills Frau Miriam von seiner Geiselnahme lange nichts mitbekommt. Als er dann anruft und ihr sagt, "Es geht mir gut", fühlt sie sich nur übel provoziert. Die Geschichte spielt mit den Erwartungen, indem sie Standardsituationen einen schrillen Dreh verpasst: Till wird an der Tankstelle aufgrund der TV-Nachrichten erkannt, Till verhandelt mit Gangstern – und treibt solche kritischen Momente an den Rand des Chaos.

Als Charaktere unterschiedlicher Milieus sind Till und besonders Nappo sehr gut getroffen. Moritz Bleibtreu spielt den Lederjackentypen mit dem langen Haar herrlich prollig und unbeherrscht. Nicht nur der Austausch mit Till, auch seine Zoffbeziehung mit seiner Freundin Nadine (Jasmin Gerat), die sich dem Trip der Buddys nach Amsterdam anschließt, ergibt Dialoge, die es in sich haben und wie aus dem Leben gegriffen wirken. Axel Stein wiederum überrascht mit der Energie und Vielseitigkeit, mit der er sich vom Biedermann in den ausgeflippten Amsterdam-Touristen und Gangsterschreck verwandelt. Das muntere Vergnügen wird noch komplettiert von rockigen Klängen, die on the road die Stimmung anheizen.

Gemeinsam mit Till hebt man irgendwann rauschhaft ab - und fängt sich wieder ein, noch bevor die Handlung auf das actionreiche Finale zusteuert. Der Film will nicht wahrhaben, dass Stimmungen kurzlebig sind: Er bringt noch einen Witz und noch einen, weitere Komplikationen, die das bereits am Limit angelangte Duo meistern muss. Erstaunlich, dass sich auch Inszenierungen mit so viel Gespür für Timing nicht an die bewährte Formel halten können, wonach ein Film 90 Minuten dauern soll.

Fazit: Dieses irrwitzige, temporeiche Roadmovie leuchtet grell vom Kinohimmel: Moritz Bleibtreu und Axel Stein halten als dynamisches Buddy-Gespann Polizei, Gangster und Zuschauer bei der Stange, zumindest bis kurz vor Schluss.




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