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Unter dem Regenbogen - Ein Frühjahr in Paris - Hauptplakat
Unter dem Regenbogen - Ein Frühjahr in Paris - Hauptplakat
© Film Kino Text

Kritik: Unter dem Regenbogen - Ein Frühjahr in Paris (2013)


"Unter dem Regenbogen" beginnt wie ein Märchen: Eine schöne junge Frau streift in einem Wald umher. Die Bilder sind weichgezeichnet, sie trägt eine leuchtend helle Jacke, die ihre roten Haare kontrastiert. Dann erklingt eine Stimme aus dem Off, die zu diesen Bildern eine Geschichte erzählt – und es stellt sich heraus, dass die junge, wohlhabende Laura (Agathe Bonitzer) gerade von ihrem Traum erzählt, in dem sie ihrem Prinzen begegnet. Wenig später glaubt sie ihn gefunden zu haben: Auf einem Ball begegnet sie dem armen Musiker Sandro (Arthur Dupont) und verliebt sich auf den ersten Blick in ihn. Sie tanzen zusammen, doch er muss um Mitternacht seine Mutter abholen und verschwindet ohne ein Wort. Auf der Treppe verliert er einen Schuh, der nun der einzige Anhaltspunkt für Laura ist. Doch "Unter dem Regenbogen" von dem französischen Filmemacher-Paar Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri ist keine Neuverfilmung von "Aschenputtel", sondern ein wunderbar eigensinniger Film, der in der Wirklichkeit spielt, in der es Enttäuschung, Trennung und die Angst vor dem Alleinsein gibt. Deshalb findet Laura ihren Traummann wieder – und der Film ist noch lange nicht vorbei.

Vielmehr sind in die anfangs wunderbare Liebesgeschichte von Laura und Sandro die Geschichten anderer Paare eingebettet: Lauras Tante Marianne (Agnès Jaoui) hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und lebt in einem idyllisch-extravaganten Haus im Wald, das nur auf den ersten Blick an ein Hexenhäuschen erinnert. Es ist dort viel zu behaglich, wenngleich sich Mariannes Tochter offensichtlich nicht wohlfühlt, sondern beständig kratzt. Gefahr droht indes aus der Nachbarschaft: Dort lebt der charismatische Maxime Wolf (Benjamin Biolay), der – nomen est omen – das junge Glück der rothaarigen Laura und ihres Geliebten bedroht, zugleich aber dessen Karriere befördert. Damit Marianne die von ihr erhoffte Unabhängigkeit verwirklichen kann, nimmt sie kurzerhand Fahrstunden bei Sandros Vater Pierre (Jean-Pierre Bacri), um sich überhaupt wieder hinter das Steuer zu trauen. Pierre ist überzeugt, dass sich Erwachsene im Griff haben müssen – und das gilt insbesondere für ihre Ängste. Allerdings ist der rationalen Eigenbrötler selbst das erste Mal von einer Angst besessen: vor Jahrzehnten sagte ihm eine Hellseherin voraus, er werde am 14. März sterben – und in diesem Jahr soll es sein.

Es sind viele kleine Geschichte, die Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri in ihrem Film erzählen. Sequenzen beginnen mit einem gemalten Bild, aus dem sich die Handlung entwickelt, Marianne inszeniert mit Kindern ein Märchen, in dem sie selbst die gute Fee ist, und das Gesicht von Lauras Mutter scheint gelegentlich zu bröckeln. Dadurch durchzieht den Film eine Surrealität, die mitunter an die "fabelhafte Welt der Amélie" denken lässt, doch "Unter dem Regenbogen" ist mehrdeutiger und realistischer. Es gibt hier keinen wirklichen Bösewicht, ohne den ein Märchen eigentlich nicht auskommt, die vermeintliche Prinzessin entpuppt sich als junge Frau auf der Suche nach sich selbst, so dass selbst das anfänglich Traumpaar keines ist. Aus diesem Kontrast entwickelt "Unter dem Regenbogen" seinen Reiz. Er erzählt ohne falsche Dramatik und unnötige Verwicklungen, dass das Leben nun einmal voller Zeichen und Symbole steckt – und sei es ein roter Apfel, den die geliftete und dadurch gefährlich jung aussehende, an die böse Stiefmutter Schneewittchens erinnernde Mutter von Laura in der Hand hält. Mitunter plätschert die Geschichte etwas vor sich hin, auch ist der Film etwas zu lang geworden. Doch "am Ende der Geschichte" – so lautet der Originaltitel des bezaubernden Films wörtlich – scheinen dann alle etwas über sich gelernt zu haben. Und der Zuschauer wurde von einem wunderbaren Film bezaubert.

Fazit: "Unter dem Regenbogen" ist ein wunderbar eigensinniger Film, der das heutige Paris mit den märchenhaften Elementen kontrastiert, die in jedem Leben stecken – sofern man nur genau hinschaut. Sehenswert.





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