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FBW-Bewertung: Magic in the Moonlight (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Woody Allens neuer Film ist eineüberaus unterhaltsame Reflexion über die Lüge und die Täuschung, das Reale und das Imaginäre und schließlich auch über die Magie des Kinos. Er handelt von dem weltbekannten Zauberer Wei Ling Soo. Der chinesische Magier ist aber eigentlich eine Maske, hinter der der Engländer Stanley Crawfordsteckt. Dieser betreibt seine Kunst mit rationaler Präzision. Er glaubt nur an Fakten. Weil er das Okkulte ablehnt, wird er, sozusagen nebenberuflich, auch dort tätig, wo behauptete Magie überführt werden muss. Sein alter Freund Howard Burkan, seines Zeichens ebenfalls Berufszauberer, bittet ihn, sich um einen solchen Fall zu kümmern. Eine junge Frau an der Côte d'Azur sei gerade dabei, mit ihren angeblichen Fähigkeiten der Wahrsagerei das Herz eines Multimillionärs zu erobern.
Stanley reist nach Südfrankreich und ab diesem Zeitpunkt wird der Film zu einer klassischen Romantic Comedy, wie man sie auf den ersten Blick schon oft gesehen zu haben scheint. Doch gelingt Woody Allen im Gewand eines populären und unterhaltsamen Genres eine Reflexion über wesentliche Fragen der Menschheit. Ganz konkret und für unsere Gegenwart relevant geht es darum, wie wir in einer mehr und mehr durchrationalisierten Welt überhaupt noch an etwas glauben können, was sich unserem Verstand entzieht. Denn selbst die Magie der Zauberei ist rationales Kalkül. Die schöne Postkarten-Idylle Südfrankreichs ist letztlich eine filmische und damit auch technische Imagination. Insofern benutzt der Film die Klischees des Genres, die Figuren und die Handlung sowie den komischen Effekt immer auf zwei Ebenen: der des Genres und der intellektuellen Reflexion. Wie es solchermaßen gelingt, über das Rationale und das Unerklärliche jenseits menschlicher Vernunft zu erzählen, ist beeindruckend. Stanley wankt, beginnt an das Unerklärliche zu glauben, weil die junge Sophie tatsächlich Dinge weiß, die sie nicht wissen kann. Doch letztlich gelingt es ihm, die Betrügerin zu überführen. Insofern siegt das Rationale. Doch ist ihre Motivation für den Betrug nicht die erwartete. Am Ende war sie nur die Hauptdarstellerin in einem als Racheakt großangelegten Täuschungsmanöver. Nichtsdestotrotz hat er sich bis zu diesem Zeitpunkt längst in sie verliebt und seine Gefühle werden sogar erwidert. Der enorme Altersunterschied von Colin Firth und Emma Stone mag hier für manchen in gewisserWeise problematisch sein, doch kann dies auch als der Zauber des Verliebens gedeutet werden, der nun mal, wenn man sich darauf einlässt, nicht rational beurteilt und damit auch verurteilt werden kann.



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