VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Hans Dampf (2013)


Der naive aber lebensfrohe Hans Dampf (Fabian Backhaus) arbeitet bei einer Kölner Bank und hasst seinen eintönigen Job. Da kommt es ihm nicht ungelegen, als er von seinem Chef plötzlich vor die Tür gesetzt wird. Schließlich bekommt er noch eine saftige Abfindung und das war's dann mit dem Thema "Bank". In einer nahe gelegenen Pizzeria entdeckt er wenig später eine Fotografie der Amalfiküste am Golf von Solerno in Italien und beschließt, ebendort sein Glück zu suchen. Mit nichts weiter als seinem Jutesack voller Geld macht er sich auf zu einer abenteuerlichen Reise, die so manch skurrile Begegnung zur Folge hat: Gleich zu Beginn lernt er die aufgedrehte Rose (Cécile Marmier) kennen, die ihn in ihrem alten, klapprigen VW-Bus in Richtung Italien mitnimmt. Als Rose den spontanen Trip beendet und ihren Bus an Hans verkauft, trifft er auf den gewitzten Tramper Django (Mario Mentrup). Auf der ereignisreichen Reise der beiden macht Hans schließlich ein Tauschgeschäft nach dem anderen: er tauscht Bus gegen Motordreirad, das Dreirad gegen ein Schlauchboot, und das Boot letztlich gegen ein Fahrrad – bis er am Ziel seiner langen, beschwerlichen Reise Fee (Nina Schwabe) trifft und erkennt, was das wahre Glück im Leben ist. "Hans Dampf" ist der erste abendfüllende Spielfilm des Regie-Duos Jukaa Schmidt und Christian Mrasek, der für wenig Geld auf dem Weg von Köln zum italienischen Lago Mergozzo entstand und zu weiten Teilen improvisiert ist. Man merkt dem Film zwar fast durchgehend seine sympathische Amateuraura und die Improvisationen an, diese Umstände täuschen jedoch nicht darüber hinweg, das "Hans Dampf" ein kleiner, lebensbejahender Sommerfilm geworden ist, der seinen Hang zum Trash mit großer Freude auslebt und auf den Zuschauer überträgt.

"Hans Dampf" macht sich das Motto des Films - "Ein Film wie ein Mixtape" – zu jeder Sekunde zu Eigen. Nie weiß man, was einen als nächstes erwartet und mit welcher absurden, abgedrehten Idee die Macher in der nächsten Sekunde um die Ecke kommen. Willkürlich zusammengewürfelt wie die Songs auf einem Mixtape muten auch die bunten, wahnwitzigen Figuren des Films an, die diesen absonderlichen filmischen Kosmos bevölkern. Da ist zum einen die impulsive, hochemotionale aber toughe Rose, die einen völlig Fremden – Hans Dampf nämlich – in ihrem VW-Bus mit auf die in den Süden Reise nimmt. Oder der findige Tramper Django, der nach dem Verlust des Busses wieder Fahrt in Hans' Reise nach Italien bringt.

Den Vogel schießt jedoch Hauptdarsteller Fabian Backhaus als Hans Dampf ab, der die ideale Verkörperung der rheinischen Frohnatur darstellt. Hans Dampf ist liebenswürdig, naiv und kommt mitunter extrem unterbelicht rüber, wenn nicht sogar ein wenig geistig zurückgeblieben. Doch dieser absonderliche Charakter tut dem Film sehr gut. Hans hat sein Ziel vor Augen und lässt sich von nichts und niemandem von seinem Vorhaben – den Lago Mergozzo zu erreichen – abbringen. Und so verfährt er getreu dem Motto "Ich bin verrückt aber ich will nach Amalfi". Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Hans Dampf hat Herz. Und das ist letztlich auch der Grund, weshalb dieser kleine (Amateur-)Film mit all seinen Kuriositäten insgesamt gelungen ist. Die Improvisationen und die Tatsache, dass viele Szenen erst spontan am Drehort entstanden, sorgen für eine launige Leichtigkeit im Stile klassischer Roadmovies, die sich – getragen von einem chillig-sonnigen Soundtrack – unmittelbar auf den Kinozuschauer übertragen.

Fazit: Locker-leichtes Sommer-Roadmovie voller sonderbarer Charaktere, dessen amateurhafte und improvisierte Umsetzung den eigentlichen Reiz dieses Filmes ausmacht.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.